»Über alles reden« - DER SPIEGEL
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BÜNDNIS FÜR ARBEIT »Über alles reden«

Der Vorsitzende der IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie), Hubertus Schmoldt, 57, über die bevorstehenden Konsensgespräche im Kanzleramt
• aus DER SPIEGEL 4/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Bei der nächsten Bündnis-für-Arbeit-Runde wollen die Arbeitgeber nicht über Überstunden, die Gewerkschaften nicht über Tarife reden. Wäre es nicht ehrlicher, das Treffen abzusagen?

Schmoldt: Auf keinen Fall. Das Bündnis darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Wir müssen natürlich darüber sprechen, warum die Arbeitgeber ihre Zusagen zum Abbau der Mehrarbeit nicht einhalten. Genauso gehören aber auch die wirtschaftspolitischen Rahmendaten ins Bündnis. Wer Themen ausklammern will, die für den Arbeitsmarkt wichtig sind, hat den Sinn der Veranstaltung nicht verstanden.

SPIEGEL: Die IG Metall will verhindern, dass die Gewerkschaften wieder über den Tisch gezogen werden wie vor zwei Jahren.

Schmoldt: Niemand ist über den Tisch gezogen worden. Es war die ausdrückliche Absicht der Gewerkschaften, bei der Tarifrunde 2000 etwas für die Beschäftigung zu tun. Deshalb haben wir die Altersteilzeit verbessert und erreicht, dass möglichst viele Auszubildende übernommen werden. Klar, dass dann die reine Lohnerhöhung etwas niedriger ausfällt. Wer das heute kritisiert, hat nicht begriffen, was er damals vereinbart hat. Oder er will schlechtreden, was er früher richtig fand.

SPIEGEL: Der Effekt auf dem Arbeitsmarkt war jedenfalls bescheiden.

Schmoldt: Das sehe ich anders. In der Chemieindustrie haben wir den Abbau der Beschäftigung gestoppt, und in allen Branchen sind in den vergangenen beiden Jahren rund eine halbe Million neue Jobs entstanden. Ist das etwa nichts?

SPIEGEL: Hätte der Kanzler sich stärker um das Bündnis kümmern müssen?

Schmoldt: Der Kanzler kann nichts dafür, wenn die Arbeitgeber mit dem Bündnis plötzlich Wahlhilfe für die Union machen wollen. Genauso wenig ist es seine Schuld, dass auf Bitten der Gewerkschaften der geplante Termin im vergangenen Dezember abgesagt wurde. Wenn das Bündnis nicht tagt, kann es auch keine Ergebnisse erzielen.

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