Überlebenskampf: Schicksalstage für Kirch - DER SPIEGEL
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Überlebenskampf Schicksalstage für Kirch

Ab Montag beginnt für die finanziell angeschlagene KirchGruppe die große Zitterpartie. Denn dann starten die Banken mit der Prüfung seines Sanierungskonzepts.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Das Sanierungskonzept muss den Banken bis Montag vorliegen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet, sollen defizitäre Konzernbereiche rasch aufgegeben oder abgestoßen werden. Dazu zählen dem Bericht zufolge zunächst die lokalen Fernsehsender in München, Berlin und Hamburg, die noch in diesem Jahr abgegeben oder eingestellt würden. Auch für das Deutsche Sportfernsehen DSF soll ein Abnehmer gesucht werden. Diese Sender weisen den Angaben zu Folge jährlich rund 50 Millionen Euro Verlust aus.

Geplant sei nach Informationen aus der KirchGruppe auch, profitable Konzernteile zu veräußern, die nicht zum Kerngeschäft gehören, darunter das Dienstleistungsunternehmen Sendezentrum München (SZM) mit 1200 Mitarbeitern in München und Berlin, das den Sendebetrieb von Sat.1, ProSieben und anderen Programmen abwickelt, und die Beteiligung der Familie Kirch am Teleshopping-Kanal Hot. Die KirchGruppe äußerte sich auf Anfrage der Zeitung nicht zum Sanierungskonzept. Sie soll sich Erlöse in Höhe von jeweils mehreren 100 Millionen Euro erhoffen, mit denen sie liquide bleiben und zum Teil auch Schulden begleichen könnte.

Die acht Gläubigerbanken sollen sich noch nicht auf eine gemeinsame Linie geeinigt haben. Bei einer Stützung des Konzerns durch die Banken könnte es sich ohnehin nur um eine vorläufige Rettung handeln, meint die "SZ", da im Herbst 1,7 Milliarden Euro an den Medienunternehmer Rupert Murdoch fällig seien. Die Banken erwarten von dem Treffen am Montag mit ihren Sanierungs- und Insolvenzspezialisten Wolfgang van Betteray, Klaus Hubert Görg und Hans-Joachim Ziems Aufschluss über den kurzfristigen Liquiditätsbedarf Kirchs und die Folgen, falls Teile der Gruppe einen Insolvenzantrag stellen sollten, heißt es in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

In Finanzkreisen bestehe kein Zweifel, dass das Ausscheren auch nur eines der Finanzinstitute aus einem gemeinsamen Konzept die von der HypoVereinsbank angestoßene Stabilisierung Kirchs ins Wanken bringen könnte, schreibt die Zeitung weiter und weist auf die besondere Bedeutung der Deutschen Bank hin. Sie verfügt mit dem Springer-Paket über eine der werthaltigsten Sicherheiten. Der designierte Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Josef Ackermann soll vor kurzem Kontakt zu Kirch aufgenommen haben.

Unterdessen sorgen Spekulationen um den Verkauf der profitablen KirchGruppe-Tochter ProSiebenSat.1 für Verwirrung. In seiner aktuellen Ausgabe hatte die "Financial Times Deutschland" berichtet, dass AOL Time Warner, Muttergesellschaft des Studios Warner Bros., und Viacom, Eigentümer von Paramount, ein Kaufangebot für den Anteil Kirchs am profitablen TV-Konzern ProSiebenSat.1 Media prüfen. Aus Bankenkreisen sei zu erfahren, dass sie für den knapp 52,5-prozentigen Anteil Kirchs 1,6 Milliarden Euro offerieren könnten.

Doch inzwischen haben sowohl AOL Time Warner-Chef Steve Case als auch Kirch ihr Interesse an einem Kauf beziehungsweise Verkauf dementiert. AOL Time Warner sei nicht an einem Einstieg bei Kirch interessiert, sagte Case am Freitag am Rande einer Konferenz in Berlin. "Zur Lösung des Problems bedarf es nicht unseres Engagements", fügte er hinzu. Von Seiten der KirchGruppe hieß es am Freitag, eine Veräußerung der Sender stehe für die Gruppe nicht zur Diskussion.