Übernahme-Gerüchte: Microsoft flirtet mit Facebook - DER SPIEGEL
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Übernahme-Gerüchte Microsoft flirtet mit Facebook

Reicher, alter Mann sucht junge, schöne Frau: Microsoft ist auf Brautschau. Aus einer Hochzeit mit Yahoo wurde - vorerst - nichts. Jetzt hat der Softwareriese einem Bericht zufolge ein Auge auf das Internet-Netzwerk Facebook geworfen. Ob das die Eintrittskarte zur Web-Community ist?
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Hamburg - Die Microsoft-Chefs könnten glücklich sein: größter Softwarekonzern der Welt, eine Quasi-Monopolstellung, was Betriebssysteme für PCs betrifft (Marktanteil schätzungsweise mehr als 90 Prozent), gigantische Gewinne - wäre da nur nicht dieses furchtbare Imageproblem und dieser jüngere, hippere, im Internet um ein Vielfaches erfolgreichere Konkurrent Google.

Microsoft   hat viele Feinde: Die EU-Kommission wirft dem Unternehmen aus Redmond unlauteren Wettbewerb vor und hat es zu einem millionenschweren Zwangsgeld verdonnert, viele Computernutzer meiden aus Prinzip Microsoft-Produkte. Als der Konzern vor drei Monaten sein Übernahmeinteresse an Yahoo signalisierte, drohten Nutzer des E-Mail-Dienstes, zu einem Konkurrenten zu wechseln. "Mit Microsoft will ich ums Verrecken nichts zu tun haben", schrieb einer in einem Blog. "Lieber keine Mails als welche mit Microsoft verschicken." Vor allem junge Nutzer lehnen Microsoft als zu etabliert, zu mächtig ab.

Bislang sind alle Versuche von Microsoft gescheitert, seine Image in dieser Zielgruppe aufzupolieren. Microsoft ist auch im Web eine Größe, aber nur, wenn es um sachliche Dienstleistungen geht. Die Erfolge des Web 2.0, die meist vom ehrenamtlichen Engagement begeisterter Communities leben, rauschen an Microsoft vorbei.

Auch aus der Yahoo-Übernahme wurde vorerst nichts, nachdem Yahoo   am Wochenende auch ein um fünf Milliarden auf 47,5 Milliarden Dollar aufgestocktes Angebot als zu niedrig ablehnte. Doch Microsoft hat nach Informationen des "Wall Street Journal" ein neues Übernahmeziel: Facebook, hinter MySpace die zweitgrößte Plattform im Internet zur Bildung von sozialen Netzwerken - und weit cooler als das mittlerweile von Rupert Murdochs News Corp. absorbierte MySpace. Nach eigenen Angaben hat Facebook rund 70 Millionen Nutzer weltweit.

Über seine Banken habe Microsoft "dezente Signale" an Facebook gesendet, um eine komplette Übernahme auszuloten, heißt es in dem Bericht. Konkrete Verhandlungen habe es aber nicht gegeben. Auch sei unklar, ob Facebook zu einer Übernahme durch Microsoft überhaupt bereit wäre. Weder Facebook noch Microsoft wollten den Bericht kommentieren.

Der 23-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte die Möglichkeit eines Verkaufs seiner erst vier Jahre alten Firma stets zurückgewiesen. Zu einem ersten Flirt mit Microsoft war es aber bereits im Oktober 2007 gekommen, als Microsoft einen 1,6-prozentigen Anteil an Facebook erwarb - für sagenhafte 240 Millionen Dollar. Zuckerberg, der Junge mit den Badeschlappen, war plötzlich Liebling der Computerwelt und ein schwerreicher Star: Mit seinem Kauf hatte Microsoft den Wert der Plattform auf insgesamt 15 Milliarden Dollar taxiert.

Analysten vermuteten damals, Microsoft habe den Preis absichtlich nach oben getrieben, um eine Facebook-Beteiligung von Google zu verhindern. "Sollte Microsoft tatsächlich an einer Aufstockung seiner Anteile an Facebook oder gar an einer Übernahme interessiert sein, ist dieser Schuss nach hinten losgegangen", sagt Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur des Fachmagazins "c't". Jetzt müsse Microsoft einen viel zu hohen Preis zahlen.

Mit einer Übernahme von Facebook wäre Microsoft im Besitz eines der in den vergangenen Jahren groß gewordenen Player. Branchenkennern zufolge erhofft sich das Unternehmen dadurch einen Zugriff auf junge, kreative Entwickler, einen größeren Einfluss im Bereich der Netzwerk-Plattformen sowie einen Imagewandel. "Die Frage ist, ob das gute Image von Facebook auf Microsoft abfärbt oder das schlechte Image von Microsoft auf Facebook", sagt Kuri.

Facebook ohne Zeitdruck

Jeffrey Mann, Analyst beim IT-Beratungsunternehmen Gartner, sieht für die Netzwerk-Plattform durch eine Microsoft-Übernahme kein allzu großes Risiko: "Als News Corp.   von Rupert Murdoch MySpace übernahm, hat das dieser Plattform auch nicht geschadet." Für Facebook sei es eine Frage des Timings, die Sache anzugehen, um den höchstmöglichen Preis herauszuschlagen. Auch Ralf Pichler, Mitglied der Geschäftsleitung von Capgemini TMN, sieht keinen Nachteil für Facebook: "Es wäre eine Win-win-Situation - die wenigsten Nutzer interessiert, wem die Plattform gehört."

Nach Ansicht von Kuri steht Facebook jedenfalls nicht unter Zeitdruck - "im Gegensatz zu Yahoo, das in der jüngsten Vergangenheit keinerlei Innovationen mehr hervorgebracht hat". Insofern sei das Nein von Yahoo an Microsoft verwunderlich.

Microsoft-Mitgründer Bill Gates erklärte am Mittwoch, sein Unternehmen werde künftig eine "unabhängige Strategie" verfolgen. Zugleich schloss er aber nicht aus, sich um alternative Partnerschaften zu bemühen.

Auch wenn die Facebook-Pläne bislang nur Spekulationen sind - Branchenkenner halten solche Übernahmeabsichten für durchaus denkbar. "Google   ist der große Konkurrent, hier muss Microsoft etwas tun, um aufzuholen", sagt Analyst Mann. "Und Microsoft hat genug Geld und kann es sich leisten, seinen Einfluss in schwachen Segmenten zu vergrößern."

"Womöglich zieht sich Microsoft auf sein Kerngeschäft, die Entwicklung von Software, zurück und überlässt den Internetmarkt Google", sagt Kuri.

Wolle Microsoft dagegen nicht kampflos aufgeben, seien Akquisitionen, zumindest aber Partnerschaften unbedingt nötig. Aus eigener Kraft könne Microsoft in diesem Bereich nicht zu einem Konkurrenten für Google wachsen. "Offensichtlich hat man bei Microsoft trotz des wirtschaftlichen Erfolgs im Kerngeschäft große Angst, etwas zu verpassen."

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