Übernahme-Spekulationen: Freeserve im Visier der Telekom? - DER SPIEGEL
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Übernahme-Spekulationen Freeserve im Visier der Telekom?

Rätselraten um die Expansionspläne der Deutschen Telekom. Zeitungsberichten zufolge ist die offenbar geplante Übernahme des britischen Internet-Anbieters Freeserve für die Telekom-Tochter T-Online eher unwahrscheinlich. Am Dienstag soll entschieden werden.
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Hamburg/London/New York - Über Übernahmepläne der Deutschen Telekom in Großbritannien hat es am Wochenende widersprüchliche Berichte gegeben. Dem SPIEGEL zufolge will die Telekom den größten britischen Internet-Anbieter Freeserve in den kommenden Tagen offiziell für ihre Internet-Tochter T-Online übernehmen. Dagegen berichteten britische Finanzzeitungen am Sonntag, die Übernahmeverhandlungen seien geplatzt. Unterdessen kündigte der Telekom-Vorstand für internationale Operationen, Jeffrey A. Hedberg, in einem Interview mit der "Washington Post" an, die Telekom wolle in den USA eine wichtige Telekommunikations-Gesellschaft kaufen.

Die britische Elektronik-Kette Dixons, der 80 Prozent von Freeserve gehört, habe sich nach "erheblichen Differenzen" zwischen den Management-Teams von Freeserve und T-Online zum Rückzug aus dem Übernahmeprojekt entschlossen, berichteten die "Sunday Times" und die Zeitung "Sunday Business". Freeserve wolle seine Entscheidung am Dienstag bei Vorlage der Bilanzzahlen bekannt geben.

Eine Stellungnahme war von Freeserve am Wochenende nicht zu erhalten. Die Telekom wollte am Samstag zu einem möglichen Einstieg bei Freeserve keine Stellung nehmen. Sprecher Ulrich Lissek sagte: "Darüber ist schon lange spekuliert worden und an Spekulationen beteiligen wir uns bekanntlich nicht. Wir gackern erst, wenn das Ei gelegt ist." Der Wert der Übernahme würde nach unterschiedlichen Medienberichten zwischen zwölf und 20 Milliarden DM liegen.

Nach Darstellung der "Sunday Times" geht es bei den Differenzen zwischen Freeserve und dem T-Online-Team unter anderem um die vergleichsweise "hohen Gehälter", die Freeserve an seine Manager zahlt. Aber auch "kulturelle Unterschiede" im Management-Stil und bei der Unternehmenskontrolle spielten eine Rolle. Im Mittelpunkt stehe hier die Person von Freeserve-Chef John Pluthero. Nur wenn ihm auch künftig eine Führungsrolle garantiert werde, könne eine Übernahme durch die Deutsche Telekom noch gelingen, schrieb die "Sunday Times."

Im Mai hatten die Übernahmespekulationen die unter Druck geratenen Aktienkurse von Freeserve nach oben getrieben. Freeserve mit rund zwei Millionen Kunden in Großbritannien hatte vor knapp zwei Jahren als erstes Unternehmen in großem Stil einen Internet-Zugang angeboten, für den die Kunden nur Telefongebühren zahlen müssen. Nach dem Bekanntwerden von Konkurrenzplänen fielen die Aktien innerhalb von wenigen Monaten auf die Hälfte.

Auf dem US-Markt will sich die Telekom nach Angaben von Vorstandsmitglied Hedberg in den Mobilfunk, aber auch ins Internet- und Festnetzgeschäft einkaufen. "Sprint wäre interessant", sagte Hedberg mit Blick auf den US-Konzern, von dem im Zuge der Fusion mit WorldCom die Internet- und Festnetzsparten frei werden könnten. Der Konzern sei "ein gutes Unternehmen... Sie haben die Fähigkeit, multinationalen Kunden Dienstleistungen zu bieten."

Er lehnte der "Sunday Times" zufolge jedoch ab, definitiv zu sagen, ob die Deutsche Telekom Angebote für Sprint oder Anteile daran abgeben würde, falls die Großfusion mit dem US-Konzern WorldCom an den Wettbewerbshütern scheitert oder der Verkauf wichtiger Kernsparten nötig wird. WorldCom will Sprint für insgesamt 129 Milliarden Dollar übernehmen.

Hedberg habe geprahlt, er könne aber auch jede der großen US- Telekomfirmen haben, angefangen bei AT&T über SBC Communications und BellSouth bis hin zu WorldCom selbst, schrieb die Zeitung. "Wir werden all solche Möglichkeiten untersuchen", sagte der Vorstand. Hedberg unterstrich, dass ein Joint Venture nicht in Frage komme.