Übernahmeangebot Nasdaq will Londoner Börse schlucken
London - Die US-Technologiebörse Nasdaq hat ein neues Übernahmeangebot für die London Stock Exchange (LSE) gemacht. Die Amerikaner wollen pro LSE-Aktie 1,243 Pfund bezahlen, wie heute in London mitgeteilt wurde. Insgesamt bewertet dieses Angebot die LSE mit 2,7 Milliarden Pfund (knapp vier Milliarden Euro). Die Nasdaq gab bekannt, bereits weitere LSE-Aktien für zusammen 87,8 Millionen Pfund gekauft zu haben und nun 28,75 Prozent an der der Londoner Börse zu halten.
Der Kurs der LSE-Aktien ist in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 200 Prozent gestiegen. Das Potential der LSE und auch erwartete Synergien durch die Kombination beider Börsen sei im Nasdaq-Gebot berücksichtigt, hieß es.
Derzeit hält die Nasdaq an der Londoner Börse bereits 25 Prozent. Die US-Technologiebörse hatte sich im März an der LSE beteiligt und den Anteil zwei Monate später auf 25 Prozent aufgestockt. Damals hatte die Nasdaq bis zu 1,248 Pfund je Aktie gezahlt. Mit einer kompletten Übernahme für 4,2 Milliarden Dollar war die Nasdaq allerdings gescheitert. Nun hieß es, die LSE solle ihren Betrieb in der gewohnten Weise weiterführen.
Die Londoner Börse stand zuletzt immer wieder im Mittelpunkt von Übernahmespekulationen. Anfang vergangenen Jahres gingen Pläne der Deutsche Börse ins Leere, die LSE zu übernehmen. Vor eineinhalb Wochen hatten es dann Gerüchte über ein erneutes Nasdaq-Gebot für LSE gegeben. Die Nasdaq könne etwa 1,40 Pfund pro LSE-Anteilsschein bieten, hatte es geheißen.
Die Börsenkonzerne bemühen sich seit Jahren um Zusammenschlüsse der stark zersplitterten Branche in Europa. Vor allem die Banken drängen auf niedrigere Gebühren für Wertpapiergeschäfte. Bislang gibt es zwei grenzüberschreitende Börsen: die Euronext und die skandinavische Gemeinschaftsbörse OMX. Euronext betreibt die Märkte in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie die Derivatebörse Liffe in London. Derzeit liegt der Euronext ein Übernahmeangebot der US-Börse Nyse vor. Die Deutsche Börse hatte jüngst eine Offerte für die Euronext zurückgezogen.
kaz/Dow Jones/dpa/Reuters