Übernahmeangebot: PeopleSoft zeigt Oracle den Finger - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Übernahmeangebot PeopleSoft zeigt Oracle den Finger

Der amerikanische Software-Anbieter PeopleSoft hat das Kaufangebot seines Konkurrenten Oracle formell abgelehnt. Damit dürfte eine heiße Übernahmeschlacht bevor stehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Pleasanton - PeopleSoft   begründete die Ablehnung am Donnerstag mit "erheblichen kartellrechtlichen Problemen in den USA und Europa". Diese würde zu einem langwierigen Genehmigungsverfahren und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zu einer Ablehnung des Zusammenschlusses mit Oracle führen.

Besonders glaubhaft wirkt diese Argumentation nicht. Denn PeopleSofts Management dürfte sich derzeit weniger Sorgen um die formaljuristischen Implikationen einer Fusion mit Oracle denn vielmehr um das nackte Überleben machen. Oracle-Boss Larry Ellison plant nämlich laut dem bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Übernahmeangebot, von PeopleSoft lediglich die Kundenkartei sowie einige Programmteile zu behalten und letztere in Oracles eBusiness Suite zu integrieren. Der Rest - also vor allem die Mitarbeiter sowie bestehende Produkte - sind für Oracle nicht von Interesse.

Scheußlich, scheußlich

Nun will niemand gerne entbeint, filetiert, entgrätet und in den Abfalleimer der Unternehmensgeschichte geworfen werden. PeopleSoft-Chef Craig Conway hat Ellisons Offerte denn auch bereits vor einigen Tagen als "ein scheußliches Angebot einer scheußlichen Firma bezeichnet". Damit war eigentlich schon klar gesagt, was der Verwaltungsrat des Unternehmens jetzt noch einmal in sachlicherer Art und Weise formuliert hat: Fuck off, Larry.

In der Nacht auf Freitag (mitteleuropäischer Zeit) wird Ellison zu der formellen Ablehnung seines Angebots Stellung nehmen und vermutlich weitere Schritte bekannt geben. Möglicherweise bessert er seine bestehende Offerte von 16 Dollar je Aktie auch noch einmal nach, denn PeopleSoft notiert inzwischen bei 17,38 Dollar.

Was geht in Ellisons Kopf vor

Unklar ist derzeit noch, was der Oracle-Chef eigentlich will. Drei grundsätzliche Versionen werden diskutiert:

  • Erstens: Ellison ist ein wahnsinniger Egomane, der einfach eine gute Gelegenheit gesehen hat, seinem ungeliebten Ex-Mitarbeiter Conway eins auszuwischen und nebenbei einen Konkurrenten plattzumachen. "Ellison", höhnt Silicon-Valley-Kolumnist Michael Malone " ist ein großes Kind mit zuviel Geld und Macht, das seine Kindheitsfantasien ausspielt".
  • Zweitens: Ellison geht es nicht um Peoplesofts Vermögenswerte. Das relativ kleine Unternehmen ist für Oracle kein ernsthafter Konkurrent. Als Conway aber die Übernahem des Softwareanbieters J.D. Edwards ankündigte, wurde Peoplesoft in Ellisons Augen zu einer potenziellen Bedrohung. Sein Angebot zielt vor allem darauf ab, die Fusion mit Edwards zu verhindern.
  • Drittens: Oracle hat in seinem Kerngeschäft (Datenbanken) Probleme und versucht, drohende Umsatzverluste durch ein verstärktes Engagement im Bereich Unternehmenssoftware auszugleichen. Um diese Umpositionierung zu beschleunigen, muss Ellison seine Kundenbasis für Business-Produkte verbreitern - da käme ihm PeopleSofts Adresskartei gerade recht.
  • Wahrscheinlich dürfte eine Kombination aus den Punkten Zwei und Drei sein. Ellison kann kaum ein Interesse an einem erstarkenden Konkurrenten haben. Aber auch wenn es ihm nicht gelänge, Peoplesoft zu übernehmen, könnte er das Unternehmen doch deutlich schwächen. Der Zeitpunkt für einen Angriff auf Peoplesoft scheint clever gewählt: Im ersten Quartal sind Umsatz und Gewinn der "Soft People" deutlich zurückgegangen.

    Die Firma muss demnächst Zahlen für das zweite Jahresviertel vorlegen. Wenn die nicht passabel ausfallen, könnte der aufgeblasene Aktienkurs deutlich einbrechen: Derzeit ist Peoplesoft mit dem 32-fachen seines Gewinns bewertet. Zudem haben Shortseller die Aktie ins Visier genommen - 6,8 Prozent der ausstehenden Aktien sind derzeit leer verkauft. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Markt mit einer Kurskorrektur rechnet.

    Selbst wenn die Übernahme scheitert, hat Ellison also wenig zu verlieren - im schlimmsten Fall unterstreicht er seinen Ruf, ein egomanischer, herzloser Bösewicht zu sein. Vielleicht betrachtet er ja sogar das als einen Gewinn. Wenn Ellisons Verhalten Wahnsinn ist, dann hat der zumindest Methode.

    Mehr lesen über