Übernahmeangebot PeopleSoft zeigt Oracle den Finger
Besonders glaubhaft wirkt diese Argumentation nicht. Denn PeopleSofts Management dürfte sich derzeit weniger Sorgen um die formaljuristischen Implikationen einer Fusion mit Oracle denn vielmehr um das nackte Überleben machen. Oracle-Boss Larry Ellison plant nämlich laut dem bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Übernahmeangebot, von PeopleSoft lediglich die Kundenkartei sowie einige Programmteile zu behalten und letztere in Oracles eBusiness Suite zu integrieren. Der Rest - also vor allem die Mitarbeiter sowie bestehende Produkte - sind für Oracle nicht von Interesse.
Scheußlich, scheußlich
Nun will niemand gerne entbeint, filetiert, entgrätet und in den Abfalleimer der Unternehmensgeschichte geworfen werden. PeopleSoft-Chef Craig Conway hat Ellisons Offerte denn auch bereits vor einigen Tagen als "ein scheußliches Angebot einer scheußlichen Firma bezeichnet". Damit war eigentlich schon klar gesagt, was der Verwaltungsrat des Unternehmens jetzt noch einmal in sachlicherer Art und Weise formuliert hat: Fuck off, Larry.
In der Nacht auf Freitag (mitteleuropäischer Zeit) wird Ellison zu der formellen Ablehnung seines Angebots Stellung nehmen und vermutlich weitere Schritte bekannt geben. Möglicherweise bessert er seine bestehende Offerte von 16 Dollar je Aktie auch noch einmal nach, denn PeopleSoft notiert inzwischen bei 17,38 Dollar.
Was geht in Ellisons Kopf vor
Unklar ist derzeit noch, was der Oracle-Chef eigentlich will. Drei grundsätzliche Versionen werden diskutiert:
Wahrscheinlich dürfte eine Kombination aus den Punkten Zwei und Drei sein. Ellison kann kaum ein Interesse an einem erstarkenden Konkurrenten haben. Aber auch wenn es ihm nicht gelänge, Peoplesoft zu übernehmen, könnte er das Unternehmen doch deutlich schwächen. Der Zeitpunkt für einen Angriff auf Peoplesoft scheint clever gewählt: Im ersten Quartal sind Umsatz und Gewinn der "Soft People" deutlich zurückgegangen.
Die Firma muss demnächst Zahlen für das zweite Jahresviertel vorlegen. Wenn die nicht passabel ausfallen, könnte der aufgeblasene Aktienkurs deutlich einbrechen: Derzeit ist Peoplesoft mit dem 32-fachen seines Gewinns bewertet. Zudem haben Shortseller die Aktie ins Visier genommen - 6,8 Prozent der ausstehenden Aktien sind derzeit leer verkauft. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Markt mit einer Kurskorrektur rechnet.
Selbst wenn die Übernahme scheitert, hat Ellison also wenig zu verlieren - im schlimmsten Fall unterstreicht er seinen Ruf, ein egomanischer, herzloser Bösewicht zu sein. Vielleicht betrachtet er ja sogar das als einen Gewinn. Wenn Ellisons Verhalten Wahnsinn ist, dann hat der zumindest Methode.