Übernahmegerüchte: Ist BMW das Opfer einer Kampagne? - DER SPIEGEL
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Übernahmegerüchte Ist BMW das Opfer einer Kampagne?

Bei BMW herrscht Ratlosigkeit. Seit Wochen wird der Konzern Tag für Tag mit Übernahmegerüchten konfrontiert. Das jüngste kommt vom "Stern": Das Tauziehen um die Automarke gehe in die heiße Phase, heißt es da. Als Folge fällt der BMW-Aktienkurs seit Wochen durch kräftige Kurssprünge auf. BMW hat dem wenig entgegenzusetzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Tag für Tag dementiert der Konzern eintönig: Er wolle unabhängig bleiben und führe mit niemandem Übernahmeverhandlungen. Unterstrichen wird das in der Regel durch ähnlich klingende Erklärungen von Thomas Gauly, dem Sprecher der BMW-Großaktionäre aus der Quandt-Familie. Doch die Wirkung ist gleich Null. So spricht man denn intern bei BMW inzwischen von einer "Kampagne", die da gegen BMW laufe.

Der Kern der Unruhe ist die britische BMW-Tochter Rover. Sie fuhr 1998 einen Riesenverlust von 1,9 Milliarden Mark ein und hat diesen, so räumt BMW ein, vermutlich 1999 noch übertroffen. Zahlen von 2,5 bis drei Milliarden Mark kursieren in der Branche, was BMW aber als "unseriös" und "Spekulation" zurückweist, ohne selbst Klarheit zu schaffen.

Doch wie dem auch sei, das Mitschleppen von Rover mit seinen Riesenverlusten, das den früheren BMW-Chef Bernd Pischetsrieder den Job kostete, belastet auch dessen Nachfolger Joachim Milberg schwer. Schon auf der Hauptversammlung Mitte 1999 forderten einzelne Aktionäre den radikalen Schnitt bei Rover, plädierten für ein schnelles, schmerzhaftes Ende des britischen Abenteuers.

Das Trommelfeuer von Übernahmegerüchten ist dem Konzern nicht geheuer. "Wenn das keine Kampagne ist...?", ist im Konzern zu hören. Als Beleg wird angeführt, dass erst jüngst an einem Wochenende gleich fünf britische Sonntagszeitungen, wie von einem unbekannten Dirigenten angeleitet, einstimmig neue Übernahmegerüchte in den Markt streuten. Die vorgestellte Kandidatenliste für die angeblich anstehende Übernahme des Münchener Konzerns, der in seinem Stammgeschäft satte Gewinne schreibt, ist übersichtlich und namhaft: Volkswagen sowie die US-Großkonzerne Ford und General Motors. Sie alle haben schon erkennen lassen, dass sie durchaus interessiert wären - wenn BMW zum Verkauf stände.

Und auch eine andere Variante wird, wenn auch seltener, genannt. "Behalten sie Fiat im Auge", rät ein italienischer Branchenkenner. Vielleicht nicht so sehr für eine Übernahme wie für eine Allianz. Die Fiat-Eigentümerfamilie Agnelli hege für ein Bündnis mit dem ebenfalls von einem Familienaktionär, der Quandt-Familie, geprägten Münchener Konzern große Sympathien. Doch BMW und die Quandts dementieren wacker, sie sprächen mit keinem über ein solches Thema.

Derweil versucht der Konzern weiter mit großem Einsatz, die Lage bei Rover zu stabilisieren. Fünf mal in der Woche bringt ein firmeneigener 70-sitziger Jet deutsche BMW-Manager zu Rover nach Großbritannien oder auch Rover-Manager zur Mutter nach München. Straffe Führung, lautet die Devise, die Milberg gleich nach seiner Amtsübernahme als BMW-Chef ausgegeben hat, um die Kostenstrukturen bei Rover in Ordnung, die Produktion auf einen modernen Stand und Rover-Qualität auf BMW-Stand zu bringen. Bei großen Teilen des Rover-Personals allerdings hat diese Invasion der Deutschen in allen maßgeblichen Ebenen inzwischen zu großen Vorbehalten geführt. "Wenn man mit einem BMW dort einfährt, tut man gut daran, gleich zu sagen, man arbeite nicht bei BMW", beschreibt ein Ortsansässiger die gereizte Stimmung.

Ein wichtiges Datum für Rover und die Zukunft des BMW-Engements wird vermutlich die Entscheidung der EU-Kommission zu britischen Staatshilfen von knapp einer halben Milliarde Mark für die Rover-Modernisierung sein. Etwa Mitte des Jahres wird die erwartet, und falls die EU-Kommission nein sagt, könnte das nach Einschätzung von Branchenkennern das Ende des britischen Abenteuers der Münchener einläuten.

Gernot Heller