Übernahmeofferte Schaeffler bietet für Conti
Frankfurt am Main - Schaeffler will den Autozulieferer Continental nicht zwingend ganz übernehmen und ihn als eigenständiges Unternehmen an der Börse lassen. Man strebe eine strategische Beteiligung von mehr als 30 Prozent an, aber nicht unbedingt die Mehrheit, teilte der fränkische Wälzlagerspezialist mit.
Schaeffler bietet den Conti-Aktionären 69,37 Euro pro Aktie. Insgesamt kommt die Offerte damit auf einen Wert von 11,2 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben kann das Unternehmen den Kauf aus eigener Kraft stemmen und ist nicht darauf angewiesen, Continental Mittel zu entziehen.
Schaeffler unterstütze die Strategie des Continental-Managements, auch in Bezug auf das Reifengeschäft. Es werde keine Zerschlagung geben, hieß es. "Der Fokus liegt auf der Kombination der Stärken beider Unternehmen", erklärte Schaeffler. Es solle nicht zum Verlust von Arbeitsplätzen kommen, Continental solle als eigenständiges Unternehmen mit Sitz in Hannover erhalten bleiben.
Eine Sprecherin des Continental-Konzerns sagte, man werde das Angebot der Schaeffler-Gruppe "prüfen" und sich "zu gegebener Zeit mit den gegebenen Mitteln dazu äußern". Präzisieren wollte sie diese Aussagen nicht. Der Kurs der Continental-Aktie verbuchte nach Bekantgabe der Offerte Zuwächse: Gegen den Dax-Trend lag das Papier bei über 11,5 Prozent im Plus.
Streit um Optionen
Schaeffler selbst hält derzeit nach eigenen Angaben 2,97 Prozent an Continental und ist berechtigt, weitere 4,95 Prozent zu erwerben. Hinzu kommen Optionen auf 28 Prozent der Aktien. Schaeffler hat sich die Unterstützung durch eine Gruppe internationaler Banken gesichert. Die Institute haben Aktien des Autozulieferers gekauft und Schaeffler mit Optionen ausgestattet. Damit sichert sich Schaeffler das Recht, Wertpapiere in einem Zeitraum oder zu einem festgelegten Zeitpunkt kaufen zu können.
Continental hatte wegen dieser Praxis zuvor Maßnahmen im Abwehrkampf gegen Schaeffler ergriffen und die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet. Die Hannoveraner verwiesen darauf, dass Schaeffler bereits Zugriff auf 36 Prozent der Stimmrechte habe ohne ein Pflichtangebot vorzulegen. Solange dies nicht erfolgt sei, konnte Continental sich nicht aktiv gegen den Übernahmeversuch wehren.
Arbeitnehmervertreter fürchten um Jobs
In Niedersachsen formiert sich weiterer Widerstand gegen die Übernahmepläne. Ministerpräsident Christian Wulff sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung": "Wir betrachten die Entwicklung sorgenvoll."
Die Gewerkschaft IG BCE sieht auch nach den Schaeffler-Aussagen weiterhin Gefahren für die Arbeitsplätze. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Schaeffer-Gruppe sich für ein feindliche Übernahme aufgestellt hat", sagte Werner Bischoff, der für die IG BCE bei Conti im Aufsichtsrat sitzt. Der Aufsichtsrat habe sich für die kommende Woche zu einer außerordentlichen Sitzung verabredet, um über die Situation und eine mögliche Abwehrstrategie zu beraten.
"Ich glaube, dass Gefahr im Verzug ist", sagte Bischoff. Und das betreffe nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Arbeitnehmer. Die Art und Weise wie Schaeffler vorgegangen sei, lasse ihn weiterhin zweifeln.
suc/dpa-FX/AP