Übernahmephantasien Rupert Murdoch steigt bei Premiere ein
New York/Köln - "Wir sehen enormes Wachstumspotential in Deutschland und glauben daran, dass die Zeit gekommen ist, in den führenden Pay-TV-Anbieter Premiere zu investieren", erklärte Rupert Murdoch heute in New York. Sein Konzern News Corporation habe für 287 Millionen Euro 14,58 Prozent des Unternehmens erworben, sagte er weiter. Murdoch gehören bereits große Anteile des britischen Marktführers BSkyB und Italiens Nummer eins Sky Italia.
Das Aktienpaket stammt vom Kabelnetzbetreiber Unity Media, dessen Bezahlsender Arena mit Premiere bei der Übertragung der Fußball-Bundesliga zusammenarbeitet. Das Bundeskartellamt hatte der Kooperation aber nur unter der Bedingung zugestimmt, dass Unity Media seinen Premiere-Anteil bis zum Ende der Spielsaison Mitte 2009 wieder verkauft.
Der Kaufpreis für Premiere entspricht 17,50 Euro je Premiere-Aktie, die Papiere legten nach der Bekanntgabe des Kaufes um über 20 Prozent auf 15,66 Euro zu. Die Investoren halten Murdochs Einstieg bei Premiere offenbar für den Beginn einer vollständigen Übernahme.
Einer mit der Sache vertrauten Person zufolge hat Murdochs News Corp jedoch keine derartigen Pläne und will den Premiere-Anteil nicht über das derzeitige Maß aufstocken. Übernahmespekulationen hatten die Premiere-Papiere in den vergangenen Monaten immer wieder bewegt. Dabei wurden der französische Konzern Vivendi und Leo Kirch als mögliche Käufer gehandelt.
Die News Corporation gilt mit ihren Filmproduktionen, Fernsehsendern, Magazinen, Zeitungen, Buchverlagen und vielfältigen Beteiligungen als einer der weltweit größten Medienkonzerne. Zu den Pay-TV-Beteiligungen der News Corporation in Europa gehören 39 Prozent an BSkyB in Großbritannien sowie 100 Prozent an Sky Italia.
Deutschland bislang weißer Fleck auf der Landkarte
Bislang ist Deutschland allerdings noch ein weißer Fleck auf der Landkarte der Murdoch-Beteiligungen. Zwar war der Medienmogul schon einmal zeitweise an Premiere beteiligt, musste dieses Engagement nach der Pleite von Premiere-Gründer Leo Kirch aber mit hohem Verlust beenden. Auch der Versuch, gemeinsam mit dem Burda-Verlag einen neue Tageszeitung ("Super") herauszugeben, scheiterte grandios.
Im vergangenen Jahr hatte Murdoch für Schlagzeilen gesorgt, als er den amerikanischen Medienkonzern Dow Jones übernahm - der unter anderem das "Wall Street Journal" herausgibt. Im Dezember segneten die Dow-Jones-Aktionäre den Kauf schließlich ab. Umstritten war die Offerte vor allem im Kreis der Familienaktionäre und in der Redaktion, die eine zu große Einflussnahme Murdochs fürchteten. Um die Kritiker zu beruhigen, hatte dieser eingewilligt, dass ein fünfköpfiger Ausschuss über die "journalistische und herausgeberische Unabhängigkeit" der Dow-Jones-Dienste wacht.
Zu der Dow-Jones-Mediengruppe gehören neben dem "Wall Street Journal" unter anderem die Wirtschaftswochenzeitung "Barron's" und die Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Mit der Übernahme stieg Murdoch hinter Thomson-Reuters und Bloomberg zu einem der führenden Finanzdienstleister auf.
sam/AFP/Reuters/ddp