Übernahmepläne Thyssen und BASF blitzen in Amerika ab
Düsseldorf - ThyssenKrupp habe beschlossen, kein höheres Angebot zur Übernahme von Dofasco abzugeben, teilte das Unternehmen gestern Abend mit. Zur Begründung hieß es, mit einem Angebot von mehr als 68 kanadischen Dollar je Dofasco-Aktie würde "die Grenze der Wirtschaftlichkeit überschritten".
ThyssenKrupp hätte bis heute Morgen ein Angebot des Luxemburger Konkurrenten Arcelor überbieten können, der zuletzt 71 kanadische Dollar pro Aktie geboten hatte. Jetzt will Dofasco das Arcelor-Angebot annehmen.
Der Übernahmekampf um das kanadische Stahlunternehmen war im November entbrannt: Um Dofasco vor einer feindlichen Übernahme durch Arcelor zu bewahren, war ThyssenKrupp als "weißer Ritter" mit einer Gegenofferte eingesprungen.
ThyssenKrupp teilte mit, die globale Wachstumsstrategie werde trotzdem weiter umgesetzt. Erster Schritt sei der beschlossene Bau eines Brammenwerkes mit 4,4 Millionen Tonnen Kapazität am kostengünstigen Küstenstandort Sepetiba in Brasilien. Auch weitere Kooperationen seien denkbar.
Mit Dofasco wäre ThyssenKrupp zum sechstgrößten Stahlproduzenten der Welt aufgestiegen. Derzeit ist die Stahlsparte des Konzerns weltweit die Nummer zehn. Dofasco hatte 2004 einen Jahresumsatz von 4,2 Milliarden kanadischen Dollar erzielt und ist mit rund 11.000 Mitarbeitern der größte Stahlproduzent Kanadas.
Engelhard lehnt BASF-Angebot ab
Der US-Katalysatorspezialist Engelhard hat unterdessen die 4,9 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte des Chemieriesen BASF als nicht angemessen zurückgewiesen. Die Aktionäre sollten daher dem Angebot nicht folgen, teilte Engelhard in einer offiziellen Stellungnahme zur Offerte des deutschen Konzerns mit.
BASF bietet den Engelhard-Aktionären 37 Dollar je Aktie in bar. Engelhard wäre der größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte von BASF gewesen. Das Angebot der Ludwigshafener läuft noch bis zum 6. Februar; es kann aber noch verlängert werden.
BASF will sich im Laufe des Tages zu der Ablehnung äußern und sein weiteres Vorgehen erläutern. Analysten erwarten nun einen Preispoker um Engelhard. Denn Konzernchef Barry Perry hatte der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, Engelhard werde eine höhere BASF-Offerte in Betracht ziehen. Wie hoch ein Angebot sein müsse, sagte er allerdings nicht.
"Wir glauben, BASF könnte darauf vorbereitet sein, ein bis zwei Dollar mehr pro Aktie zu zahlen als das ursprüngliche Angebot von 37 Dollar je Aktie", kommentierte HVB-Analyst Andreas Heine. Voraussetzung dafür sei, dass die BASF tieferen Einblick bei Engelhard bekomme und sich Anzeichen dafür ergäben, dass die Wachstumsaussichten oder die Synergien stärker seien als erwartet.