Übernahmeplan: RAG will Degussa voll und ganz - DER SPIEGEL
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Übernahmeplan RAG will Degussa voll und ganz

Der Kohlekonzern RAG, geführt vom Ex-Wirtschaftsminister Müller, will einem Zeitungsbericht zufolge das Chemieunternehmen Degussa komplett übernehmen. Der Plan könnte schon in den nächsten Tagen abgesegnet werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Essen - Werner Müller hat ein Problem: Der RAG-Chef plant einen Börsengang, doch das Interesse der Anleger an dem subventionsgepäppelten Bergbauriesen dürfte gering ausfallen. Wenn er sich aber eine attraktive Tochter in die RAG-Familie holt, denkt sich Müller da wohl - dann könnte sich die Lust auf RAG-Aktien deutlich steigern lassen.

Und so plant Müller laut "Handelsblatt", jene 43 Prozent an Degussa   zu übernehmen, die bisher dem Energiekonzern E.on   gehören und zum Verkauf stehen. Schon am Montag sei eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung der RAG geplant, berichtete die Zeitung, die sich auf Unternehmens- und Aufsichtsratskreise beider Firmen beruft. Müller werde dort ein Eckpunktepapier zur Übernahme der E.on-Beteiligung an Degussa vorstellen. Am Abend tage der E.on-Aufsichtsrat zum selben Thema.

Sprecher beider Unternehmen lehnten eine offizielle Stellungnahme zunächst ab.

Bei Scheitern des Plans: Müller-Rücktritt möglich

RAG hält an Degussa bereits 50,1 Prozent. Müller will die RAG bis 2007 an die Börse bringen, die Erlöse von vermutlich fünf Milliarden Euro sollen in die öffentlichen Kassen fließen. Müller musste den Termin für den Kohle-IPO allerdings bereits zwei Mal verschieben, was an der Börse und bei den RAG-Eignern E.on, RWE  , ThyssenKrupp   und Arcelor für Verstimmung gesorgt haben dürfte.

Ein Analyst sagte dem "Handelsblatt" zwar: "Erst durch die Tochter Degussa wird die Mutter RAG schön." Ob das Kalkül aufgeht, die RAG durch den Chemieableger aufzuhübschen, ist aber unklar: Mischkonzerne und Konglomerate werden an der Börse traditionell niedriger bewertet.

Noch ist auch nicht klar, ob Müller im RAG-Aufsichtsrat wirklich die Mehrheit für eine Komplettübernahme findet. Sollte sein Plan abgelehnt werden, schreibt das "Handelsblatt", sei auch ein Rücktritt des früheren Wirtschaftsministers nicht ausgeschlossen.