Übernahmeschlacht Aventis-Chef scheitert in Paris
Paris - Jean-Pierre Raffarin gilt als einer größten Förderer einer französisch-französischen Fusion von Sanofi Synthelabo und Aventis . Dass Aventis mit den Schweizern von Novartis zusammen gehen könnte, missfällt ihm. So ist Aventis-Chef Igor Landau offenbar auch mit seinem Bemühen gescheitert, für die Novartis-Lösung zu werben. Das berichtete jedenfalls die Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones unter Berufung auf Regierungskreise. Das Gespräch am Freitag habe Raffarin nicht umgestimmt.
Ohnehin wäre Jacques Chirac der richtige Ansprechpartner - der aber gilt der als Freund von Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq gilt. Die Pariser Regierung übe derzeit Druck auf Sanofi-Synthelabo aus, das feindliche Übernahmeangebot zu erhöhen, berichtete die Agentur aus Kreisen des französischen Konzerns. Eine Fusion Novartis-Aventis wird damit unwahrscheinlicher. Novartis hat eine zumindest neutrale Haltung der Regierung in Paris zur Bedingung gemacht.
Sanofi hat vor zwei Monaten ein Angebot vorgelegt, das Aventis nach derzeitigem Börsenkurs mit gut 45 Milliarden Euro bewertet. Die Finanzmärkte erwarten seit längerem eine Nachbesserung der Offerte.
Gütliche Einigung wird wahrscheinlicher
Paris hat klare Unterstützung für die feindliche Übernahme erkennen lassen, die einen "nationalen Champion" in der Pharmaindustrie schaffen würde. Zuletzt führte Raffarin strategische Interessen Frankreichs etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen zur Abwehr von Bioterrorismus-Attacken ins Feld.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, Aventis signalisiere inzwischen die Bereitschaft, mit Sanofi zu verhandeln. Voraussetzung sei aber ein deutlich verbessertes Angebot. Es liege nun an Dehecq die Initiative zu ergreifen, damit es zu einem Treffen komme. Sanofi schloss ein höheres Angebot zwar erneut aus, bezeichnete aber für die Zukunft Gespräche über eine freundliche Übernahme als möglich.
Aventis widersprach am Freitag allerdings einem Bericht des Pariser Wirtschaftsblatt "Les Echos", wonach das deutsch-französische Unternehmen die Novartis-Variante bereits abgeschrieben habe und eine gütliche Einigung mit Sanofi zu erzielen versuche. Der Aventis-Aufsichtsrat tritt am nächsten Freitag zusammen. Novartis möchte von dem Gremium förmlich zu Verhandlungen über einen Zusammenschluss aufgefordert werden.
Gewerkschafter kritisieren "Noventis"-Pläne
Auch die EU-Kommission in Brüssel schaltete sich am Freitag in
die Diskussion um die Zukunft von Aventis ein. Man werde jeden
Schritt der französischen Regierung zur Verhinderung eines
eventuellen Novartis-Angebots überprüfen, hieß es.
Schweizer Arbeitnehmer-Organisationen äußerten sich unterdessen
besorgt über eine mögliche Fusion von Novartis und Aventis. Eine
solche neuerliche Megafusion im Pharmasektor gefährde mit Sicherheit
Tausende von Arbeitsplätzen in beiden Firmen und bringe auf Jahre
Unsicherheit in die betroffenen Betriebe, erklärten die Gewerkschaft
Bau und Industrie (GBI) und das Unabhängige Bündnis Novartis (UB).
Weder Novartis noch Aventis befänden sich in Fusionszwang. Beide
Firmen seien grundsätzlich gesund und verfügten über die notwendige
Größe, um auch weiterhin alleine zu operieren. Die Beschäftigten der
beiden Firmen bräuchten keine "Noventis".
Aventis präsentierte derweil eine juristische Studie, die
Risiken einer Fusion mit Sanofi belegen soll. Der Studie zufolge
ist bei Sanofi das Patent für das verkaufsstarke
Blutverdünnungsmittel Plavix in Gefahr. Sollte Sanofi den
Patentschutz verlieren, könnten bereits im kommenden Jahr
billigere Nachahmerprodukte auf den US-Markt kommen, was dem
Plavix-Hersteller empfindliche Umsatzeinbußen bescheren dürfte.
Die Studie wurde im Auftrag von Aventis von einer
US-Anwaltsfirma ermittelt. Branchenexperten zufolge brachte sie
aber keine neuen Erkenntnisse.