Übernahmeschlacht: Kampf der Goldgiganten - DER SPIEGEL
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Übernahmeschlacht Kampf der Goldgiganten

Der Preis für Gold liegt rekordverdächtig hoch, die großen Minenbetreiber der Welt aber durchleiden schwierige Zeiten. In Südafrika versucht der Konzern Harmony gerade, mit einer feindlichen Übernahme den größten Goldlieferanten der Welt zu schmieden. Es ist ein Angriff aus der Not heraus - bei dem ein russischer Rohstoff-Milliardär eine undurchsichtige Rolle spielt.
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Hamburg - Bernard Swanepoel, Chef des südafrikanischen Goldminenkonzerns Harmony spricht von einem "visionären" Plan. Ian Cockerill, Vormann beim Konkurrenten Gold Fields, nennt es ein "kriminelles Vorhaben". Beide Manager meinen dieselbe Sache: die geplante feindliche Übernahme von Gold Fields durch Harmony.

Seit Oktober versucht Harmony, den profitableren Wettbewerber zu schlucken. 6,61 Milliarden Euro in Aktien soll die Übernahme kosten. Rund elf Prozent der Anteile hat sich der Angreifer schon gesichert. 34,5 Prozent wären nach südafrikanischem Recht nötig, um mit einer Zwangsabfindung die verbleibenden Aktien zu erobern. Wird die Firmenehe vollzogen, entsteht der größte Goldschürfer der Welt mit einer Jahresproduktion von 7,8 Millionen Unzen (221 Tonnen).

Harmony hockt auf unprofitablen Schächten

Harmonys Attacke ist kein Ausdruck der Stärke, sondern Ergebnis eigener Verwundbarkeit. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren massenhaft Bergwerke aufgekauft und in Produktion gebracht. Die maroden Minen belasten nun mit hohen Transport- und Rohstoffkosten das Geschäft.

Schuld sind die Turbulenzen am Devisenmarkt. Die südafrikanische Währung Rand hat sich gegenüber dem Dollar deutlich verteuert. Das hat Konsequenzen für die ganze Branche. Lohn- und Explorationskosten fallen für die Minenbetreiber in Rand an - die Erlöse dagegen im schwächelnden Dollar. Da kann auch nicht helfen, dass der Preis pro Unze Gold sich immer noch deutlich über 430 Dollar bewegt, nach einem Tief von 317 Dollar im Mai.

Für Harmony ist die Entwicklung besonders gefährlich. Anders als viele Konkurrenten betreibt das Unternehmen den Großteil seiner Goldgruben in Südafrika. "Mit der Übernahme könnte Harmony die eigenen Überlebenschancen erhöhen", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Baden-Württembergischen Bank.

Trotz solcher Vorteile musste Gold Fields in der Abwehrschlacht erst vergangene Woche eine Niederlage einstecken. Konzernchef Cockerill hatte versucht, eine Fusion mit dem kanadischen Konkurrenten Iamgold einzufädeln. Der Zusammenschluss mit dem "Weißen Ritter" hätte die Angriffe Harmonys ein für allemal abgewehrt. Doch Cockerills Aktionäre zogen nicht mit. Eine knappe Mehrheit sprach sich gegen den Plan aus.

Die Aktionärsblockade zeigt, dass Gold Fields Feinde im eigenen Lager hat. Das gilt vor allem für den unberechenbaren russischen Großaktionär Norilsk Nickel, bei dem der Oligarch Wladimir Potanin den Ton angibt. Der Rohstoffgigant kaufte im April 20 Prozent der Gold-Fields-Anteile. Beobachter glauben nicht an ein strategisches Investment. Vielmehr will Norilsk mit dem Aktienpaket offenbar schnell Gewinn machen. Das Geld brauchen die Russen zur Ausbeutung von Goldfeldern in Sibirien.

Bald nach dem Einstieg entpuppte sich der neue Großaktionär dann auch als Unsicherheitsfaktor. So überwarf sich Norilsk zunächst mit den Gold-Fields-Managern und schmiedete dann zu deren Entsetzen eine Allianz mit Harmony. Zwar sprachen die Russen bei der vergangenen Hauptversammlung im November dem Gold-Fields-Vorstand noch einmal das Vertrauen aus. Doch Beobachter rechnen damit, dass Norilsk bald mit Harmony handelseinig wird und seine Aktien abgibt.

Der russische Konzern hat jedenfalls alle Beteiligten gegen Ende der Woche zu einem Gespräch geladen. Die Zukunft der südafrikanischen Goldindustrie könnte sich nicht am Kap entscheiden, sondern im fernen Moskau.