Übernahmeschlacht Oracle wirft PeopleSoft Bilanzklitterei vor
Pleasanton/Redmond - PeopleSoft erwartet für den Dreimonatsabschnitt einen Umsatz von 490 Millionen Dollar bis 500 Millionen Dollar. Die Lizenzeinnahmen sollen 105 bis 115 Millionen Dollar erreichen. Nach vorläufigen Zahlen rechnet der Hersteller von Unternehmensanwendungen mit einem Gewinn von zehn Cent bis elf Cent je Aktie gegenüber einer bisherigen Firmenprognose von acht bis neun Cent je Aktie.
Für Konzernchef Craig Conway ist das ein Etappensieg. Analysten hatten befürchtet, dass die drohende Übernahme der "Soft People" durch den Datenbankanbieter Oracle die Kunden von PeopleSoft verschrecken könnte - zumal Oracle-Boss Larry Ellison erklärt hatte, er werde PeopleSofts Produkte nach dem Erwerb des Unternehmens umgehend einstampfen.
Vor diesem Hintergrund sind auch ganzseitige Anzeigen des deutschen Wettbewerbers SAP zu sehen. Darin wirbt der Softwareanbieter aus Walldorf für eine Hotline, bei der sich verunsicherte Kunden der Konkurrenz beraten lassen können. PeopleSofts passable Zahlen sind allerdings kaum mehr als eine Verschnaufpause für das Unternehmen. Denn ob die Kundschaft zu SAP oder anderen Anbietern flüchtet, dürfte frühestens nach einem weiteren Quartal erkennbar werden. Die endgültigen Quartalszahlen sollen später im Juli veröffentlicht werden.
Oracle: Mitleids-Käufe, Einmalumsätze
Mehr als unter normalen Umständen hatte PeopleSoft ein Interesse daran, besonders gute Zahlen vorzulegen. Prompt beschuldigte Oracle daraufhin seinen Widersacher, den Gewinn nur mit Hilfe von Bilanztricks gesteigert zu haben. Das Unternehmen habe "verzweifelt" nur für diese eine Quartal besondere Zahlen "aufgestellt", sagte Oracle-Sprecher Jim Finn.
Wie genau PeopleSoft seien Bilanz frisiert hat, konnte Finn allerdings nicht belegen. Er führte lediglich aus, die Hälfte der Einnahmen sei nicht durch "normale und nachhaltige" Geschäftsabschlüsse, sondern durch "Einmaltricks" erzielt worden. Ein weiterer Vorwurf Oracles: Es habe in PeopleSofts zweitem Quartal "Gefälligkeiten" von Geschäftspartnern gegeben. Zu deutsch: Viele EDV-Chefs hätten dem Unternehmen nur aus Mitleid ein paar Paletten Software abgenommen.
Das wird teuer
Oracle zufolge hat das Quartalsergebnis keinen Einfluss auf die bestehende Übernahmeofferte. Tatsächlich könnte das Gegenteil der Fall sein: Wenn sich am Markt die Wahrnehmung durchsetzt, dass PeopleSofts Geschäfte gut laufen, könnte Ellison gezwungen sein, das bestehende Angebot von 19,50 Dollar je Aktie erneut nachzubessern. Am kommenden Montag läuft Oracles bestehendes Angebot an PeopleSofts Aktionäre aus. Es gilt als sicher, dass der Datenbankanbieter die Frist verlängern wird.