Übernahmeschlacht Schering mauert, Merck knausert
Darmstadt/Berlin - Trotz der Ablehnung des Schering-Managements will Merck seine bisherige Offerte nicht anpassen. "Wir bleiben bei unserem Angebot von 77 Euro pro Aktie in bar", sagte eine Merck-Sprecherin heute. "Wir glauben, dass dieser Preis wirklich fair und gut ist." Das Angebot sei für die Aktionäre da - und nicht für das Management. Man gehe auch ohne dessen Zustimmung vorwärts. In der ersten April-Hälfte werde Merck sein offizielles Angebot für die Anteilseigner veröffentlichen.
Der Schering-Aufsichtsrat hatte die Übernahmeofferte des Pharma- und Chemiekonzerns Merck gestern Abend abgelehnt. Nach einer Sondersitzung des Kontrollgremiums sagte Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen, der Aufsichtsrat halte das Angebot für unangemessen. Er habe zudem Rückendeckung zur Nutzung "aller Optionen" bekommen, um den Wert von Schering eigenständig weiter zu steigern.
Der drittgrößte deutsche Pharmahersteller erwägt zur Abwehr der Merck-Offerte nach Angaben aus dem Umfeld seines Aufsichtsrats selbst Übernahmen. Diese Option habe der Vorstand in erster Linie im Sinn und sei dabei in der Aufsichtsratssitzung bestärkt worden, sagte ein mit Ablauf und Inhalten des Treffens Vertrauter der Nachrichtenagentur Reuters.
Er verwies darauf, dass Schering bereits seit Jahren auf der Suche nach Kaufgelegenheiten sei und auch mehrere Milliarden Euro dafür aufbringen könne. Diese Suche solle nun aber bis zum Mai verstärkt werden. Der Kauf eines Unternehmens durch die Berliner könne für Merck die Übernahme verteuern und erschweren, so der Plan.
Schering und Merck sind gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahl etwa gleich groß. Bei einem Zusammenschluss entstünde ein Anbieter mit einem Jahresumsatz von mehr als elf Milliarden Euro. Größter Einzelaktionär Scherings ist die Allianz mit knapp zwölf Prozent.
Die Münchner Assekuranz unterstützt einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge das Schering-Management bei dem Versuch, einen höheren Preis durchzusetzen. Dagegen hätten andere institutionelle Anleger wie Activest und Union Investment das Merck-Angebot von 77 Euro als fair eingestuft.
suc/dpa/reuters