Übernahmeszenario Jean Pascale wird jetzt tschechisch
Norderstedt/Hamburg - Obwohl die Kleidungskette mit Sitz in Norderstedt immerhin 160 Filialen in ganz Deutschland betreibt und 2002 einen Umsatz von noch 93 Millionen Euro erzielte, ist ihre Aktie nur noch ein Pennystock. Gerade mal für 0,89 Euro werden die Anteilsscheine des Unternehmens gehandelt, Anfang 2000 waren es immerhin rund sechs Euro. Die Hamburger Tom-Tailor-Gruppe hat nach eigenen Angaben geprüft, ob sie das kriselnden Unternehmen kaufen sollte - winkte dann aber dankend ab, weil die Sanierung zu schwierig erschien.
Der Tscheche Dany Hami scheint da selbstbewusster und ambitionierter - oder zumindest weitaus risikobereiter - zu sein. Der Gründer des Textilfilialisten Kenvelo steht laut einem Bericht des "Handelsblattes" kurz davor, JP zu übernehmen. Der Kauf könne schon in den kommenden zwei bis drei Wochen besiegelt werden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise. Offiziell nahm keines der beiden Unternehmen Stellung. Die Höhe des Kaufpreises ist bisher unbekannt.
Die Italiener schmeißen hin
Mit der Übernahme würde Kenvelo, vom Umsatz her nur knapp größer als JP, eine ehrgeizige Westexpansion beginnen. Die Tschechen betreiben derzeit rund 100 Filialen, außer in ihrem Heimatland sind sie auch in Ungarn, Polen und Israel engagiert. Unternehmensgründer Hami will bis 2015 rund 1000 Filialen weltweit zusammenkaufen.
Für die JP-Gruppe wäre die Übernahme ein neues Kapitel einer turbulenten und zuletzt reichlich unerfreulichen Unternehmensgeschichte. Einst unter Teenagern ähnlich beliebt wie heutzutage Hennes & Mauritz, steckt JP seit längerem in der Krise, das Image der Kleidung hat mächtig gelitten - trotz einiger aktueller Erfolge seiner Kleidungsmarke Camera.
2002 schrieb die Gruppe fast 36 Millionen Euro Verluste - mehr als ein Drittel des Umsatzes. Der marode Hamburger Wünsche-Konzern hatte JP 1999 an den italienischen Unternehmer Piofrancesco Borghetti verkauft. Er versuchte, Linie ins Kleidungssortiment zu bringen und die Kosten zu drücken - hat aber offenbar die Hoffnung auf Erfolg fahren gelassen.