DEUTSCHE BAHN »Übervolle Züge vermeiden«
SPIEGEL: Die ICE-Strecke Frankfurt-Köln ist kaum zwei Wochen in Betrieb, schon klagen Kunden über Preise von gut 70 Euro etwa für das einfache Erste-Klasse-Ticket. Haben Sie zu teuer kalkuliert?
Mehdorn: Die Züge sind hervorragend ausgelastet. Eine Stunde Zeitersparnis, mehr Qualität und Komfort haben ihren Preis, den die Kunden auch bereit sind zu zahlen. Das beweisen unsere Marktforschung und die Praxis.
SPIEGEL: Bislang war es der Vorteil der Bahn, dass man jederzeit ohne Reservierung in jeden Zug steigen konnte. Nach Ihrem für den Dezember geplanten Preissystem muss man schon Tage im Voraus fest buchen, sonst drohen happige Aufpreise.
Mehdorn: Das stimmt nicht! Wer flexibel reisen möchte, zahlt den Normalpreis, der im Übrigen auf längeren Strecken bis zu 25 Prozent günstiger sein wird als heute. Außerdem bietet das neue Preissystem auch Spontanfahrern viele Vorteile wie 50 Prozent Mitfahrer-Rabatt für bis zu vier Personen. Meldungen, dass wir im Fernverkehr die Preise um ein Drittel anheben, sind also Quatsch. Wer besonders günstig reisen will, kann bei frühzeitiger Buchung sogar richtige Schnäppchen machen ...
SPIEGEL: ... die er später schnell bereuen kann. 45 Euro Stornogebühr wollen Sie pro Strecke kassieren, wenn man den Zug verpasst oder seine Reisepläne ändert.
Mehdorn: Wenn die Bahn schuld ist, wird keine Stornogebühr fällig. Wir müssen aber verhindern, dass Leute auf Verdacht Sparpreise vorbuchen, damit die Kontingente verstopfen und die Vorbuchung dann einfach verfallen lassen. Denn wir wollen ja gerade unsere Züge gleichmäßiger auslasten und übervolle Züge vermeiden - im Interesse unserer Kunden.
SPIEGEL: Wann werden endlich die konkreten Ticketpreise bekannt? Wollen Sie das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten?
Mehdorn: Unsinn. Wir müssen 22 Millionen mögliche Relationen neu berechnen. Das dauert eben.