Ultimatum VW droht mit Job-Export nach Portugal
Wolfsburg - Die "einzige Möglichkeit", das Projekt für Wolfsburg zu retten, bestehe darin, den Bau des Wagens in die Auto 5000 GmbH zu integrieren, die zu deutlich niedrigeren Kosten als die traditionelle VW-Produktion arbeitet. "Auch für diese Entscheidung fällt das Fenster am 26. September zu", erklärte Bernhard.
Vorher hatte das Marken-Produkt-Strategie-Komitee des Konzerns die Empfehlung abgegeben, den Wagen ab 2007 im portugiesischen VW-Werk Palmela bauen zu lassen. Dort entsteht zur Zeit der große Van Sharan und das Werk hat bereits den Zuschlag für den Bau des geplanten Cabrios erhalten.
Eine Fertigung in Palmela sei "gut 1000 Euro pro Fahrzeug günstiger als am Alternativstandort Wolfsburg", hieß es in der VW-Mitteilung. Eine Produktion des Geländewagens am Stammwerk sei "zu den heutigen Bedingungen" nicht wirtschaftlich.
Bernhard fährt harten Kurs
Damit spitzt sich der Konflikt zwischen Bernhard und der Arbeitnehmervertretung überraschend zu. Der Manager verhandelt schon seit Monaten mit dem Betriebsrat über eine Senkung der Personalkosten für das Geländewagen-Projekt. Der Betriebsrat verweist bisher auf weitere Einsparmöglichkeiten in der Produktion. Bernhard begründete das Ultimatum damit, dass bis zum 26. September "die Anlagen und Maschinen für den Fertigungsstandort spezifiziert worden sein" müssen, um den rechtzeitigen Anlauf des Fahrzeugs garantieren zu können.
IG-Metall-Sprecher Jörg Köther widersprach der Mitteilung von Volkswagen und sagte, über den Standort der Fertigung des Geländewagens sei "das letzte Wort noch nicht gesprochen". Es handele sich "um die Empfehlung eines Gremiums". Es gebe aber weiterhin Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Management über die Standortentscheidung. Köther betonte: "Der im vergangenen Jahr abgeschlossene Zukunftstarifvertrag und die Betriebsvereinbarung, die ihn konkretisiert, sehen vor, dass der Geländewagen in Wolfsburg gefertigt wird."
Mit der von VW vorgeschlagenen Verlagerung des Geländewagens mit dem Arbeitsnamen "Marrakesch" in die Auto 5000 GmbH will der Konzern offenbar an die Erfolgsgeschichte des kleinen Vans Touran anknüpfen. Die 3500 Mitarbeiter dort verdienen weniger als die nach dem Haustarif beschäftigten Kollegen. Außerdem müssen sie bis zu 42 Stunden pro Woche arbeiten, falls eine vereinbarte Zahl von Wagen nicht in der regulären Zeit fertig wird. Das von Ex-Personalvorstand Peter Hartz erfundene Modell gilt als sehr profitabel. Im neuen Haustarifvertrag aus dem November war bereits vereinbart worden, dass neu eingestellte Mitarbeiter weniger Geld verdienen und auf dem Niveau von 5000 mal 5000 beschäftigt werden sollen.
Pischetsrieder deckt Bernhards Vorstoß
Bereits vergangene Woche hatte Konzernchef Bernd Pischetsrieder weitere Kostensenkungen gefordert und sich dazu auch Personalmaßnahmen offen gehalten. "Wir müssen die Kosten unserer Produktion in Europa senken", sagte Pischetsrieder. Nur wenn die Werke trotz niedrigen Dollarkurses mit Gewinn in die USA exportieren könnten, seien sie überlebensfähig. Die USA ist der wohl wichtigste Markt für den geplanten Klein-Geländewagen.
Pischetsrieder machte keine genauen Angaben dazu, wie er beim Personal sparen will. Er machte aber klar, dass das Ziel entweder über weniger Beschäftigte oder weniger Geld pro Mitarbeiter erreicht werden könne.