Umfrage Deutsche haben Angst vorm Konsum
München - Die Verbesserung ist nur klein, aber trotzdem bemerkenswert: Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat in ihrer jüngsten Monatsumfrage zum Konsumklima ermittelt, dass sich die Stimmung der Verbraucher leicht stabilisiert hat. Der Konsumklima-Indikator sei für Juni auf 3,8 von revidiert 3,6 Punkten für Mai gestiegen.
Richtig rosig ist das Bild aber noch lange nicht. "Aus Sicht der Verbraucher sind mögliche Rezessionsgefahren noch nicht gebannt", erklärte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Die sinkende Inflation und die leichte Erholung an den Börsen stärkten zwar die Kaufkraft, deshalb schätzten die Haushalte ihre zukünftige finanzielle Lage etwas positiver ein. Die Reform-Debatte und die hohe Arbeitslosigkeit verunsicherten die Menschen aber und hielten sie von größeren Anschaffungen ab.
Sorgenvoller Blick nach Berlin
Die GfK berechnet aus einer monatlichen Umfrage jeweils das Konsumklima für den Folgemonat. Positive Werte deuten auf einen Anstieg des realen privaten Verbrauchs zum Vorjahr hin, negative auf einen Rückgang. Die GfK befragt jeweils 2000 Verbraucher im Auftrag der EU-Kommission.
Eine leichte Verbesserung registrierten die Konsumforscher auch bei den Einkommenserwartungen. Der entsprechende Index stieg auf minus 12,6 von minus 15,5 Zählern. Viele Verbraucher erwarteten, dass die Reformen der Bundesregierung die Abgabenlast weiter steigen lassen.
Home of the Brave
Die Zeit für größere Anschaffungen ist aus Sicht der Mehrheit der Befragten denn auch noch nicht gekommen - der entsprechende Index gab weiter nach auf minus 39,9 von zuletzt minus 32,3 Zählern. "Somit kann für die Konsumneigung leider noch keine Entwarnung gegeben werden", folgerte Bürkl.
Auf den privaten Konsum entfallen in Deutschland rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im ersten Quartal war der private Verbrauch überraschend robust gewesen und um 0,6 Prozent zum Vorquartal gestiegen. Im Gegensatz zu den Deutschen blicken die US-Amerikaner wieder zuversichtlicher nach vorne. Das Vertrauen der US-Verbraucher war nach Angaben des Forschungsinstituts Conference Board im Mai gerade deshalb gestiegen, weil die Amerikaner die Aussichten für die US-Wirtschaft positiv beurteilten - Volkswirte führten dies unter anderem auf die beschlossenen Steuersenkungen zurück.