Umfrage Lieber glücklich als reich
Hamburg - Derzeit findet ein Umdenken statt, wie eine heute in Hamburg veröffentliche Umfrage des BAT Freizeit-Forschungsinstituts unter 2000 Teilnehmern ergab. Gefragt wurden sie, was für sie Wohlstand bedeutet. Der Umfrage zufolge wollen die Bundesbürger lieber glücklich (67 Prozent) als reich (46 Prozent) sein.
"Das nur materielle Wohlstandsverständnis ändert sich grundlegend", sagte Instituts-Leiter Horst Opaschowski. "Bei Wohlstand denken die meisten Deutschen mehr an die soziale Lebensqualität als an die bloße Steigerung des Lebensstandards." Dies heiße, in Frieden und ohne Sorge mit Familie und Freunden leben.
Bürgerliche Werte lägen in Zeiten von Hartz IV wieder im Trend. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten neigten die Menschen seit jeher zum Rückzug in die eigenen vier Wände, hieß es in einer BAT-Mitteilung. Einen vergleichbaren Wertewandel-Schub habe es nach dem Golfkrieg 1991 gegeben. In solchen Phasen dominierten Sicherheits- und Vorsorgeaspekte wie "sparen" und "bescheidener leben".
Ärmere legen größeren Wert auf Familie
Wer ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 1500 Euro hat, neigt der Studie nach eher dazu, die Familie (67 Prozent) als Wohlstand zu sehen als Materielles. Bei einem Einkommen von mehr als 3500 Euro sehen das 59 Prozent der Befragten so. Zum sorgenfreien Leben gehört neben einer friedvollen Welt auch eine intakte Natur (67 Prozent) und Toleranz (64 Prozent). Dabei sind Familien diese Umstände und Werte wichtiger (71 Prozent) als Singles (58 Prozent).
Erstaunliches Ergebnis in einer Zeit, in der das Thema Kinderlosigkeit nahezu alle Familienpolitiker beschäftigt: Selbst Jugendliche denken bei Wohlstand mehr an "eine Familie haben" (65 Prozent) als an das "Geld für einen längeren Traum-Urlaub" (61 Prozent).
Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren schätzen das persönliche Glücklichsein der Umfrage zufolge sogar höher ein (71 Prozent) als die übrige Bevölkerung (67 Prozent). Die Wohlstandszeiten der vergangenen Jahrzehnte, in denen bei vielen Menschen Shopping und Kino sowie das teure Auto und die Weltreise zählten, seien demnach langsam vorbei.
kaz/AP/dpa