Umfrage: Topmanager befürchten wachsende Kluft zur Bevölkerung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Umfrage Topmanager befürchten wachsende Kluft zur Bevölkerung

Die kritische Reaktion der Öffentlichkeit auf Massenentlassungen und explodierende Firmengewinne haben bei der Wirtschaftselite Wirkung gezeigt. Einer Umfrage zufolge fürchten Topmanager eine wachsende Kluft zwischen Unternehmen und Bevölkerung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Einen Schaden für das Ansehen der Wirtschaft bei den Bürgern befürchten inzwischen 85 Prozent aller Manager, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "Capital" befragt hat. Dennoch wollen nur 28 Prozent der Befragten trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs ihre Forderung nach Lohnzurückhaltung aufgeben. Zwei Drittel mahnen sogar, daran "unbedingt" festzuhalten.

Zugleich verloren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Wirtschaftspolitik der Großen Koalition unter den Spitzenmanagern deutlich an Akzeptanz. Nur noch 33 Prozent halten der Umfrage zufolge Merkel für eine "starke Bundeskanzlerin". Vor drei Monaten vertraten diese Auffassung noch 57 Prozent der Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik. "Die Unternehmensführer hofften, dass die Kanzlerin durchregiert, wenn sei erst mal fest im Sattel sitzt", sagte Allenbach-Chefin Renate Köcher. "Die Wirtschaft hat geradezu dramatisch ihre Einstellung zur Politik geändert." Viele Manager seien nun ernüchtert, dass nur der Koalitionsvertrag abgearbeitet werde. Die politischen Führungskräfte hielten der Umfrage zufolge Merkel mit 52 Prozent hingegen weitgehend die Treue.

Ernüchtert zeigen sich die Manager auch von der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Während 50 Prozent der Politik-Elite damit "im Großen und Ganzen zufrieden" sind, sind dies unter den Unternehmenslenkern nur noch 22 Prozent. Zudem sagen 55 Prozent, der Aufschwung habe nichts mit der Arbeit der Regierung zu tun.

Für die repräsentative Studie wurden mehr als 600 Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung befragt. Unter den Kabinettsmitgliedern bekommt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die besten Noten. 95 Prozent der Befragten meinen, er mache eine gute Arbeit. Dies ist im Vergleich zu einer Umfrage im März ein Zuwachs um 14 Prozentpunkte. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) legte um 16 Punkte auf 88 Prozent zu. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) verbesserte sich ebenfalls deutlich von 42 auf 67 Prozent. Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) büßte dagegen deutlich ein: Nach 50 Prozent im März sind jetzt nur noch 33 Prozent der Befragten der Meinung, er mache eine gute Arbeit.

Fast vier Fünftel der deutschen Topmanager sind einer Umfrage zufolge überzeugt, die Politik berücksichtige zu wenig wirtschaftliche Interessen. Der noch im Frühjahr vorhandene große Vertrauensvorschuss der Wirtschaftselite in die Politik sei aufgezehrt, hieß es bei der Vorstellung der Umfrage

mik/AFP