Umgepolte Stinker - DER SPIEGEL
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Tüftler Umgepolte Stinker

Der Trabi als Elektromobil - ein Berliner Tüftler will mit dem Auto Geschäfte machen.
• aus DER SPIEGEL 11/1995
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Kaum hat sich die Federung des ausgeweideten Trabants beruhigt, rumst schon der nächste schwere Klotz in den Motorraum. »An der Stelle war mal der Tank«, preßt Erik Manthey, 28, heraus, bückt sich und wuchtet die dritte Batterie in den Motorraum.

Der hagere Mann wischt sich die Finger am roten Kittel ab und deutet in Richtung Vorderachse. »Da sitzt der Antrieb«, sagt er stolz. »Das ist ein für uns optimierter Gabelstaplermotor.«

Erik Manthey betreibt »Berlins erstes Elektro-Mobil-Center«. Im Seitentrakt des ehemaligen Treptower Kombinats Steremat vertreibt er ein Sortiment teils eigenwillig gestylter, aber dafür abgas- und krachfreier Vehikel, vom Fahrrad bis zum Transporter.

»Der Deutsche braucht sein Auto zu 80 Prozent für Kurzstrecken«, weiß Manthey aus einer Studie. »Dafür sind Elektromobile besser.« 100 Kilometer mit dem zweisitzigen City el aus Dänemark, der mit seinen drei Rädern aussieht wie ein abgehackter Messerschmitt Schneewittchensarg, sollen, mit Nachtstrom gefüttert, eine Mark kosten.

Der eigenentwickelte, rund 30 PS starke »Elektrabi«, Star in Mantheys Kollektion, zieht zwar fast das Doppelte aus der Steckdose, befördert aber vier Passagiere. »Ich sitze gerade an der dritten Entwicklungsstufe«, sagt Manthey, der die Kombination aus rostfreiem Trabant 601 und Elektroantrieb für ideal hält.

Rund zwei Dutzend der umgepolten DDR-Stinker surren schon über Berliner Straßen. Daß es nicht mehr sind, hat auch mit dem Preis zu tun. »Die Leute wollen nicht viel zahlen«, weiß Manthey. »Schon gar nicht für einen Trabi.«

Also hat er, den Gesetzen von Angebot und Nachfrage folgend, die Preise des noch aktuellen Typs II um gut 2500 Mark gesenkt ("solange der Vorrat reicht"). Die Limousine kostet nun 16 900 Mark, inklusive Automatikgurten vorn. Für das »De-luxe-Paket« (mit Tageskilometerzähler, Innen- und Nebelbeleuchtung) legt der Kunde einen halben Tausender drauf.

Der Star ist aber die dachamputierte Softtop-Version, lieferbar in allerlei Farben zum Preis von knapp 19 000 Mark. Damit zielt Manthey weniger auf Öko-Freaks, mobile Rentner oder Hausfrauen, die einen motorisierten Einkaufswagen brauchen. Das Plastik-Cabrio ist eher ein Spielzeug für den alternativ angehauchten Jungmanager.

Um den Absatz seiner Elektroautos will sich der Tüftler künftig nicht mehr selbst kümmern. Dafür hat er einen Vertriebsmann eingestellt. »Ich bin kein Verkäufer«, sagt Manthey mit Blick auf die schwarzgeränderten Fingernägel, »sondern Konstrukteur.«

Die Kommunikation zwischen Technik und Vertrieb wird darunter nicht leiden. Werkstatt und Büro mit integriertem Schau-Raum sind bloß durch eine Stahltür getrennt. Das spart Zeit und eine teure Telefonanlage. Denn dem Tüftler fehlt das Geld. »Statistiken können nicht lügen«, hatte Manthey zwar den Bankern erklärt und vorgerechnet, welch enormen Bedarf an E-Mobilen es in der Hauptstadt gibt. Doch die Geldverleiher sind bis heute ungläubig.

Seinen Start in die Selbständigkeit mußte er sich zusammenpumpen: Freunde liehen ihm 20 000 Mark. »Unsere Umsätze sind bescheiden«, sagt der Unternehmer tapfer lächelnd, »aber sie steigen.«

Zweifel scheint Manthey nicht zu haben: »Die Zähesten sind irgendwann die Erfolgreichsten.« Y

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