Umsatzwarnung: Nokia bricht ein - DER SPIEGEL
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Umsatzwarnung Nokia bricht ein

Es war die Nachricht, auf die alle Börsianer gewartet hatten: Der Zwischenbericht von Nokia. Wie befürchtet, musste der Mobilfunkriese eine Umsatzwarnung herausgeben. Der Aktienkurs ging sofort in die Knie.
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Helsinki - Wie erwartet hat der finnische Mobilfunkriese seine Umsatzerwartung gesenkt. Nach Angaben von Nokia wird der Nettoumsatz im zweiten Quartal um zwei bis sechs Prozent auf 6,9 bis 7,2 Milliarden Euro sinken. Zuvor hatte der Konzern noch von einem erwarten Umsatzwachstum von zwei bis sieben Prozent gesprochen. Bei den Mobilfunkgeräten wird nun nur noch von Null bis vier Prozent Wachstum gesprochen, im Bereich Nokia Networks wird ein Rückgang von 20 bis 25 Prozent erwartet.

Der Pro-Forma-Gewinn je Aktie (EPS) soll dagegen wie bisher prognostiziert 0,18 bis 0,20 Euro betragen nach 0,17 Euro im Jahr zuvor.

Direkt nach der Bekanntgabe verlor Nokia mehr als sieben Prozent auf 12,12 Euro. Bis zum Mittag erholte sich das Papier auf ein Minus von knapp vier Prozent. "Die erwartet schwachen Nokia-Zahlen haben zu einiger Hektik im Handel geführt, da sich die Börsianer bereits vorher positioniert hatten," sagte ein Händler in Frankfurt. Ein Wertpapierhändler in München sagte: "Selbst die voraussehbare Kürzung der Prognosen kann heute keinen langfristigen Impuls setzen."

Der Nokia-Anteil am weltweiten Handymarkt soll sich den Angaben nach auf 38 Prozent erhöhen. Insgesamt werde der Mobilfunkmarkt im zweiten Quartal um rund 5 Prozent wachsen.

Die Signalwirkung von Nokia für die gesamte Mobilfunkbranche ist unbestritten. "Dieser Markt ist so schwach, dass niemand sagen kann, wie sich Nokia entwickelt. Sicher ist nur, dass sie den gesamten Technologiesektor mit sich ziehen", sagte beispielsweise Analystin Susan Anthony von Credit Lyonnais.

Vor Bekanntgabe der Zahlen notierte die Nokia-Aktie   am Dienstagmorgen noch zwei Prozent unter ihrem Vortageskurs. Auch die Aktien von Ericsson und Siemens   verloren im Vorfeld jeweils mehr als ein Prozent. Die T-Aktie   blieb zunächst jedoch unverändert.

Die Investmentbank JP Morgan hatte am Montag die Empfehlung für Nokia von "Market Unterperform" auf "Market Perform" angehoben. Gleichzeitig senkten die Analysten das Kursziel von 16 auf 14 Euro. JP Morgan rechnet damit, dass Nokia bei dieser Gelegenheit die eigenen Umsatzprognosen verringert.

Merrill Lynch hatte die Umsatzprognose für das laufende Jahr um 7 Prozent auf 30,8 Milliarden Euro gesenkt. Den operativen Gewinn und den Ertrag pro Aktie (EPS) haben die Analysten um neun Prozent gesenkt. Statt zuvor 5,8 Milliarden Euro wird der operative Gewinn nun auf 5,3 Milliarden Euro geschätzt, der EPS statt auf 0,80 nun auf 0,73 Euro.

Zuvor hatte die Investmentbank ihre Einschätzung für die globale Entwicklung des Geschäfts mit Mobilfunktelefonen revidiert. Sie geht nun allgemein davon aus, dass sich das Marktumfeld für den Handyabsatz nicht so rasch verbessern werde. So verringerte Merrill Lynch die geschätzte Zahl gelieferter Mobiltelefone 2002 von 410 auf 385 Millionen Stück. Für 2003 sank die Prognose sogar von 410 auf 460 Millionen Einheiten.

Außerdem belastet der Merrill Lynch-Studie zufolge extremer Druck durch Konkurrenten wie Samsung und Siemens   in Europa und China auf dem Geschäft. Dort drohe Nokia Marktanteile zu verlieren. Merrill Lynch sieht den Marktanteil der Finnen 2002 bei 35 Prozent, verglichen mit bisher geschätzten 37 Prozent.

Neue Prognosen für das Gesamtjahr gab Nokia nicht ab. Die endgültigen Zahlen für das zweite Quartal werden am 17. Juli bekannt gegeben. Die Veröffentlichung eines Strategie-Zwischenberichts ist für den 20. Juni geplant.