Umsatzwarnung Nokia erschüttert die Branche
Frankfurt am Main - Wie Nokia am Donnerstag in Helsinki mitteilte, betrug der Vorsteuerertrag 1,3 Milliarden Euro. Er lag damit zwar unter dem Ergebnis des Vergleichszeitraumes im Vorjahr mit 1,5 Milliarden Euro, aber über dem von Beobachtern erwarteten Plus von 1,2 Milliarden Euro. Nokias Umsatz sank im selben Zeitraum um 12 Prozent auf 7 Milliarden Euro.
Der Gewinn je Nokia-Aktie lag damit mit 19 Cent je Aktie zwar über den Erwartungen, jedoch wurde der Ausblick für das Umsatzwachstum im zweiten Quartal auf zwei bis sieben Prozent gesenkt. Der Umsatz in der Netzwerksparte ist um 29 Prozent gesunken.
Die Nokia-Aktie knickte daraufhin in Helsinki um bis zu sieben Prozent ein. Auch in London machten sich die Zahlen bemerkbar. Vodafone verloren rund dreieinhalb Prozent, Konkurrent mm02 gingen knapp vier Prozent in die Knie. Zu der verringerten Umsatzprognose sagte ein Londoner Händler: "Das ist sehr negativ. Es ist eine Sache, wenn Leute denken, dass der Mobilfunkmarkt in der Flaute steckt. Es ist eine andere Sache, wenn das eine Firma sagt". In Frankfurt musste die T-Aktie nach einem starken Start ihre Gewinne wieder abgeben und notierte bei 16,98 Euro nur noch mit einem halben Prozent über Vorjahresniveau. Nokia-Konkurrent Siemens verlor mehr als eineinhalb Prozent. Noch schlimmer erwischtes es Epcos mit einem Minus von mehr als dreieinhalb Prozent. Der Siemens-Ableger liefert unter anderem Bauteile für Handys.
Während das Kerngeschäft Handy-Verkauf gut gelaufen sei, habe der kontinuierliche Auftragsrückgang durch Mobilfunkbetreiber, insbesondere in Europa, Nokias Netzwerk-Sparte belastet, sagten Analysten. "Das Geschäft mit den Handys ist den Erwartungen entsprechend verlaufen, aber der Infrastrukturmarkt hat sich problematischer entwickelt", sagte Karri Rinta, Nokia-Analyst bei der Evli Bank in Helsinki. Das bestätigt auch Analyst Marko Maunula von der Conventum Securities.
Der Preis für die Nokia-Aktie war bereits in dieser Woche deutlich gefallen. Dahinter steckt die Vermutung, dass die Gesellschaft ihre optimistische Prognose eines 15-prozentigen Wachstums im laufenen Jahr zurücknehmen muss. Analyst Gunnar Andersson von der Handelsbanken in Stockholm sagte: "Wir sehen für das gesamte Jahr eine Umsatzsteigerung von nur vier Prozent in der Netzwerk-Sparte. Von daher gibt es sicher die Möglichkeit, dass Nokia seine Jahresumsatzprognose zurücknehmen könnte."
"China hat die Erwartungen nicht erfüllt, und die europäischen Mobilfunkbetreiber sind immer noch nicht bereit, wieder in Netze zu investieren. Das bedeutet, dass der einzige wachstumsstarke Markt in diesem Jahr voraussichtlich die USA sein werden", sagte Rinta.