Umstrittene Dienstanweisung: Werdet dünner - oder gefeuert - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Umstrittene Dienstanweisung Werdet dünner - oder gefeuert

Eine kleine Gesundheitsversicherung aus dem Staat Michigan sorgt derzeit US-weit für Aufsehen und Empörung. Der Chef hatte seine Angestellten vor die Wahl gestellt, entweder auch privat das Rauchen aufzugeben oder entlassen zu werden. Nun stellt er eine neue "gesundheitsförderliche" Forderung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Howard Weyers, Chef der Versicherungsfirma Weyco aus Okemos, verfährt nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche. Erst einmal bietet er seinen Angestellten allerlei Anreize, um ihnen das Abspecken zu erleichtern. So hat er etwa einen Ernährungstherapeuten angeheuert und ein Bonus-System geschaffen. Seine Angestellten bekommen 35 Dollar pro Monat, wenn sie regelmäßig ins Fitness-Studio gehen - und weitere 65 Dollar, wenn sie die "Abspeck-Ziele" erfüllen, die Weyers für sie formuliert hat.

Verweigern sich die Angestellten dem Schlankheitsprogramm, droht Weyers ihnen allerdings mit Enlassung. "Das Ziel ist, die Mitarbeiter dazu zu ermutigen, gesünder zu leben und persönlich und im Beruf mehr zu leisten", sagt er.

"Ich bestimme ihr Leben nicht"

Weyers hatte erst vor kurzem mit einer ähnlichen Drohung für Aufsehen gesorgt: Er hatte sämtlichen Mitarbeitern untersagt, Zigaretten zu rauchen. Ein Rauchverbot im Büro gibt es zwar bei vielen Firmen - Weyers aber bezog seine Anordnung auch auf das Privatleben der Angestellten. Er verlangte von allen 200 Mitarbeitern, dass sie sich einem Urin-Test unterziehen, mit dem er die Einhaltung der Vorschrift kontrollieren wollte.

Nach Darstellung der Firma haben tatsächlich 20 Mitarbeiter das Rauchen aufgegeben. Vier haben Weyco aber in der vergangenen Woche "freiwillig" verlassen. Weyers verwahrte sich gegen Kritik: "Ich bestimme das Leben meiner Angestellten nicht. Sie haben die Wahl, ob sie hier arbeiten wollen oder nicht".

Weyers ist 71 Jahre alt und bezeichnet sich selbst als topfit - er gehe täglich Joggen, sagt er. Bei seinem ersten "Gesundheitskreuzzeug" hatte er das US-Recht auf seiner Seite - Urintests, die Mitarbeiter auf Gebrauch von Drogen, Alkohol oder Zigaretten überprüfen, sind legal. Ähnliche Tests werden von Unternehmen wie Wal-Mart   und vielen anderen routinemäßig durchgeführt, um Bewerber auf Spuren von Marihuana-Konsum zu testen.

Bei der neuen Abspeck-Kampagne ist die Rechtslage etwas anders. Weyers selbst sagt: "Wir müssen Leute dazu bringen, mehr Sport zu treiben. Aber wenn sie fettleibig sind, sind sie gesetzlich geschützt."

Mehr lesen über