UMTS: Anbieter planen Funkmast-Sharing - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

UMTS Anbieter planen Funkmast-Sharing

Die Mobilfunkanbieter versuchen verzweifelt, beim Aufbau des teuren UMTS-Netzes Kosten zu sparen. Sie legten der Regulierungsbehörde am Freitag ein neues Konzept vor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bonn/München/Düsseldorf - Ein Sprecher der Behörde bestätigte am Freitag in Bonn, dass mehrere Anbieter ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet hätten. Nach den Lizenzbedingungen muss jedoch jeder Betreiber sein eigenes UMTS-Netz aufbauen. Der Sprecher der Regulierungsbehörde, Harald Dörr, schloss eine Änderung des Regelwerks aus. "Wir werden die Fragen auf Basis der geltenden Bedingungen beantworten."

Die Gespräche über die Zusammenarbeit liefen bereits, sagte ein Sprecher der VIAG Interkom am Freitag in München. Nach Informationen aus Branchenkreisen sind daran neben VIAG Interkom E-Plus, MobilCom und das Spanisch-finnische Konsortium Group 3G beteiligt. "Wir erwarten uns durch die Zusammenarbeit sowohl ökonomische als auch ökologische Effekte", sagte der VIAG-Interkom-Sprecher. Wie weit die Zusammenarbeit reichen könne, hänge aber von der Entscheidung der Regulierungsbehörde ab.

Nach einem Bericht des "Handelsblattes" konzentrieren sich die Vorschläge an die Regulierungsbehörde auf zwei Lösungen: Erstens wäre die gemeinsame Nutzung jeweils einer Antenne denkbar. Zwei Anbieter könnten darauf mit eigener Frequenz funken. Als weitere Lösung wollten sich die Betreiber den Ausbau der Netze in ländlichen Gegenden aufteilen, damit sich Kunden in Netze von Partnern einwählen können, wenn ein Betreiber in dieser Region nicht vertreten ist.

Eine Sprecherin von E-Plus sagte, das Unternehmen sei grundsätzlich an einer gemeinsamen Nutzung der Infrastruktur interessiert. "Die Entscheidung liegt jedoch bei der Regulierungsbehörde."

Branchenexperte Theo Kitz von der Münchner Privatbank Merck, Finck & Co. beurteilte eine mögliche Zusammenarbeit mehrerer Mobilfunkanbieter positiv. Das würde die Kosten der Unternehmen drücken, die sich durch die Ersteigerung der UMTS-Lizenzen bereits stark belastet hätten. "Es ist bekannt, dass die Unternehmen seit längerem miteinander reden - außer den großen, die das nicht nötig haben, nämlich Telekom und D2-Vodafone."

Branchenkenner rechnen allerdings damit, dass die Stuttgarter Debitel AG gegen eine zu enge Zusammenarbeit klagen könnte - Debitel war im August vergangenen Jahres aus der UMTS-Auktion ausgestiegen, als die Summe für eine Lizenz 10 Milliarden Mark überschritten hatte.