UMTS-Finanzierung: Konzerne in Geldsorgen - DER SPIEGEL
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UMTS-Finanzierung Konzerne in Geldsorgen

Zur Finanzierung der deutschen UMTS-Lizenzen müssen die erfolgreichen Bewerber Kredite aufnehmen und Anleihen auf den Markt werfen. Die großen Rating-Agenturen machen ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die British Telecom will ihre geplante Anleihe im Volumen von zehn Milliarden Dollar verschieben. Diese sollte bei der Finanzierung der deutschen UMTS-Lizenzen helfen. Grund für die Verschiebung sei die anstehende Überprüfung der Kreditwürdigkeit zahlreicher Telekommunikations-Unternehmen durch die großen Rating-Agenturen, teilte das Unternehmen mit.

British Telecom droht nach Einschätzung von Standard & Poors eine Herabstufung der Bonität. Die spanische Telefónica teilte dagegen mit, zur Überbrückungsfinanzierung der deutschen UMTS-Lizenz einen Konsortialkredit über bis zu acht Milliarden Euro erhalten zu haben.

Große Ratingagenturen wie Standard & Poors oder Moody's beobachten Telekommunikationsunternehmen teilweise bereits seit längerem im Hinblick auf ihre Kreditwürdigkeit. Die hohen Kosten für die Mobilfunklizenzen sowie geplante Übernahmen lassen den Verschuldungsgrad der Unternehmen steigen und folglich ihre Bonität sinken. Standard & Poors hatte in der vergangenen Woche erklärt, man gehe davon aus, das Langfristrating von British Telecom auf "A-minus" zu reduzieren. Das Rating könne aber auch auf "BBB" zurückgenommen werden, sofern das Unternehmen seine Finanzen nicht konsolidiere.

Auch der Deutschen Telekom droht eine solche Herabstufung. Standard & Poor's hatte mitgeteilt, das Rating der Telekom könne möglicherweise gesenkt werden, was mit den hohen Kosten für die Ersteigerung der deutschen UMTS-Mobilfunklizenz und den Kosten für die geplante Übernahme der US-Telefongesellschaft VoiceStream begründet wurde. Die Telekom hat sich gegen diese Einschätzung gewehrt und erklärt, sie erwarte in diesem Jahr signifikante Einnahmen aus Vermögensverkäufen, die die Konzernbilanz stärken würden. Dabei verwies die Telekom darauf, dass sie den geplanten Verkauf von Anteilen ihrer Kabel-Gesellschaften bis zum Jahresende größtenteils abgeschlossen oder sogar beendet haben wolle.

Die Bonitätseinstufung (Rating) eines Unternehmens hat große Auswirkungen auf dessen Anleiheemissionen. Ein niedriger eingestuftes Unternehmen mit geringerer Kreditwürdigkeit muss den Investoren eine höhere Risikoprämie in Form höherer Kupons bezahlen, um als Anlage attraktiv zu sein. Die Finanzierung wird damit teurer. Für die Telekommunikationsbranche gilt dazu das Problem, dass das hohe Anleihenaufkommen zur Finanzierung der UMTS-Lizenen am Markt zu einem Angebotsdruck führt, der die Kurse zusätzlich fallen und die Renditen weiter steigen lässt.

Am Markt wurde die Ankündigung von British Telecom positiv aufgenommen. Glenn Davis von Boston Partners Asset Management sagte in London, das Unternehmen tue gut daran, die Emission zu verschieben. "Wenn sie in eine mögliche Herunterstufung hinein emittieren, werden sie deutlich höhere Kosten haben oder die Investoren sogar ganz abschrecken."

Die ebenfalls im Bietungsverfahren um die deutschen UMTS-Lizenzen erfolgreiche Telefónica hatte bereits die Begebung einer globalen Anleihe über fünf Milliarden Dollar für September angekündigt. Da der Preis für die Lizenz jedoch früher überwiesen werden muss, war eine Zwischenfinanzierung nötig geworden. Ein Telefónica-Sprecher bestätigte, dass der Bankenkredit unter anderem als Überbrückungsfinanzierung für die UMTS-Lizenz genutzt werden solle.

Die von Telefónica und der finnischen Sonera gebildete Bietergruppe 3G hatte eine der deutschen Lizenzen für 8,4 Milliarden Euro erworben. Der Anteil von Telefónica am Preis wird mit etwa vier Milliarden Euro beziffert.

An den Finanzmärkten wird davon ausgegangen, dass über 50 Prozent der Kosten für die deutschen UMTS-Lizenzen über Anleihen finanziert werden sollen. Als weiterer Bond-Emittent gilt unter anderem France Télécom. Dagegen hat unter anderem MobilCom angekündigt, die Lizenz nicht über Anleihen, sondern über Bankkredite finanzieren zu wollen.