UMTS-Happy-End MobilCom wird Milliarden-Schulden los
Paris/Büdelsdorf - MobilCom teilte am Dienstag per Pflichtveröffentlichung mit, der Großaktionär France Télécom (FT) habe die Schuldensumme übernommen. Den notwendigen Vertrag hätten FT, die kreditgebenden Banken sowie die Lieferanten Nokia und Ericsson unterzeichnet. An der Börse stieg der MobilCom-Aktienkurs um fast 7,8 Prozent auf 3,47 Euro.
Die immensen Kosten des UMTS-Abenteuers hatten zum Zerwürfnis zwischen MobilCom und FT und dem Rücktritt des MobilCom-Chefs und -gründers Gerhard Schmid geführt. MobilCom hatte Mitte 2000 mit finanzieller Hilfe der Franzosen für umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro eine der sechs Lizenzen für den UMTS-Mobilfunk ersteigert.
France Télécom hatte damals für MobilComs Verbindlichkeiten gebürgt und dem Unternehmen weit reichende Investitionszusagen gegeben. Mitte 2002 stellte der FT-Konzern, dem noch immer rund 42 Prozent des Mobilcom-Kapitals gehören, die finanzielle Unterstützung ein und kündigte das Kooperationsabkommen.
Nach wochenlangen Vermittlungen erklärte sich FT aber doch bereit, die Schulden zu übernehmen. Eine Bedingung war, dass MobilCom sich vollständig aus dem UMTS-Geschäft zurückzieht. So will sich das Büdelsdorfer Unternehmen künftig wieder auf das Stammgeschäft als Service Provider konzentrieren.
Das UMTS-Netz mit den bereits aufgebauten Anlagen und die Lizenz des Büdelsdorfer Unternehmens stehen daher zum Verkauf. Während MobilCom für die Lizenz bisher keinen Bieter gefunden hat, hat der niederländische KPN-Konzern, Mutter des Konkurrenten E-Plus, am Montag ein Gebot für Teile der UMTS-Anlagen abgegeben. KPN teilte nicht offiziell mit, wie weitgehend das Angebot sei und welche Kaufsumme man vorgeschlagen habe. Branchenbeobachter glauben aber, dass KPN deutlich weniger als 50 Millionen Euro für das Netz geboten hat, in das MobilCom schon über eine Milliarde Euro investierte.