UMTS-Lizenzen Erlös der britischen Auktion übertroffen
Mainz - Zwei Wochen nach dem Start des Verfahrens ging die Summe der Höchstgebote am Montag über die Marke von 75 Milliarden Mark. Dieser Betrag war im April nach sieben Wochen bei der Aufsehen erregenden britischen Vergabe zusammengekommen.
Der deutsche Auktionator, die Regulierungsbehörde für Telekommunikation, reduzierte am Montag die Mindestgebote. Behördenpräsident Klaus-Dieter Scheurle begründete die Entscheidung zur Senkung der Steigerungsrate mit dem Auseinanderdriften der Höchstgebote: Zwischen der höchsten und niedrigsten Offerte liege bereits ein Differenz von 600 Millionen Mark. Für die bis zum Ende des laufenden Aktionstages noch anstehenden beiden Runden gelte noch wie bisher ein Mindestaufschlag von zehn Prozent.
Scheurle beobachtete nach dem Ausstieg von debitel am Freitag noch keine Änderung im Bieterverhalten der übrigen sechs Bewerber. In der 137. Runde lag D1-Telekom mit 19,3 Milliarden Mark für drei Frequenzpakete vorn. Das höchste Gebot für einen Block gab D1-Telekom mit 6,666 Milliarden Mark ab.
Insgesamt werden bei der Auktion zwölf Frequenzpakete vergeben. Die verbliebenen sechs Bieter können somit nur dann alle zum Zuge kommen, wenn sie sich wie VIAG Interkom mit jeweils zwei Frequenzblöcken begnügen. Scheurle, sagte dagegen, dass eine Ausstattung mit drei UMTS-Frequenzen sowohl für die Versorgung einer großen Zahl von Kunden als auch für die Nutzung der neuen Technik im Breitbandmodus wichtig sei.
Vor allem für schnelle Multimedia-Anwendungen sei es unerlässlich, ausreichend Frequenzen zu besitzen. Zudem verbillige die Verfügung über drei Frequenzblöcke den Aufbau eines UMTS-Netzes, da weniger Sendestationen notwendig seien. "Es gibt eine Menge Vorteile, die Geld wert sind", sagte Scheurle. Es werde schätzungsweise fünf bis acht Jahre dauern, bis der deutsche Staat zusätzliche UMTS-Frequenzen anbieten könne. Damit forderte er die bietenden Unternehmen indirekt auf, weiter hoch zu pokern.
Bei einem Preis von mehr als 63 Milliarden Mark hatte die Bietergemeinschaft debitel/Swisscom am vergangenen Freitag das Handtuch geworfen und den Rückzug mit wirtschaftlichen Überlegungen begründet. Analysten bezeichneten die Entscheidung in einer Umfrage als vernünftig.
Fachleute von Goldman Sachs bewerteten den Swisscom-Verzicht in ihrer Marktanalyse als "good news". Sven Bucher, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), teilte diese Meinung. Es sei richtig gewesen, bei diesem Preisniveau auszusteigen, sagte er. Berechnungen der ZKB hätten ergeben, dass in Deutschland das UMTS-Geschäft für die Swisscom erst 2013 profitabel geworden wäre.
Der Chef von debitel, Peter Wagner, blickt daher optimistisch in die Zukunft. Wie der Telekommunikationsmanager in einem Interview mit dem "Handelsblatt" erklärte, blieben seinem Unternehmen drei weitere Optionen: Die Weiterführung der Geschäfte als Service-Provider, die vertiefte Zusammenarbeit mit Netzbetreibern zur Entwicklung neuer Inhalte oder den Auftritt als "virtueller Netzbetreiber".
Angesichts der hohen Lizenzgebühren hätten die erfolgreichen UMTS-Lizenznehmer ein Interesse daran, ihre Kundenbasis durch Partnerschaften zu erweitern, so Wagner weiter. "Wir reden mit den Lizenzinhabern über eine Partnerschaft." Dabei erwähnte er Telefónica namentlich, wobei er allerdings betonte, dass vor und während der Auktion keinerlei Absprachen getroffen worden seien, was zum Ausschluss der beteiligten Unternehmen führen würde. Der debitel-Chef sieht auch als "virtueller Netzbetreiber" für sein Unternehmen gute Gewinnchancen.