UMTS: Reif für die Insel - DER SPIEGEL
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UMTS Reif für die Insel

Ende Mai startet das erste europäische Netzwerk der neuen Mobilfunk-Generation UMTS auf der britischen Insel Isle of Man. Noch hat das Projekt allerdings eher den Charakter eines Experiments.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Die Isle of Man genießt einen legendären Ruf als Steuerparadies. Sie wird gerne von Touristen besucht, die der Hektik des Alltags entfliehen wollen. Im Übrigen ist sie unter Pop-Fans als Geburtsort der Bee-Gees-Gründer Robin und Maurice Gibb bekannt. Als Wiege des technischen Fortschritts ist die kleine Insel zwischen England und Nord Irland allerdings bisher nicht aufgefallen.

Das soll jetzt anders werden: Wenn es nach Mark Briers geht, soll die Isle of Man als Vorreiter einer neuen Ära der Telekommunikation in die Geschichte eingehen. Denn Ende Mai soll hier der Startschuss für das erste UMTS-Mobilfunknetz fallen.

Wenn die Technik funktioniert und die Rechner zur Verwaltung der Kundendaten nicht abstürzen, werden die Inselbewohner die Ersten sein, die per Handy ihr Depot umschichten, Videokonferenzen abhalten oder die Wettervorhersage abfragen.

Briers leitet das UMTS-Projekt im Auftrag der Manx Telecom, einer Tochtergesellschaft der British Telecom, die auf der Isle of Man eine Monopolstellung innehat. Bis zum Mai wird sein Team zehn Sendestationen eingerichtet haben, die rund 70 Prozent der Insel abdecken. "Wir hatten ursprünglich vor, 100 Prozent abzudecken, aber die Absperrungen wegen der Maul- und Klauenseuche haben uns daran gehindert, weitere 20 Stationen auf dem Land aufzustellen.

Als größeres Problem könnte sich noch die Verfügbarkeit an UMTS-fähigen Handys erweisen. Der japanische Lieferant NEC hat zum Start 200 Modelle versprochen. Größere Stückzahlen aber werden, so schätzt Briers, erst ein Jahr später verfügbar sein.

Unter diesen Umständen werden nur wenige UMTS-Handys in den Handel kommen. Der größere Teil soll an ausgewählte Nutzer verteilt werden, damit Manx Telecom die Akzeptanz verschiedener Services testen kann. Außerdem werden Mitglieder der Insel-Regierung, Touristenbüros und die Gewinner eines Schülerwettbewerbs zu den glücklichen UMTS-Pionieren zählen.

Inwieweit sie die Angebote nutzen werden, zählt zu den ungelösten Fragen, die die neue Mobilfunkgeneration aufwirft. Als einer der ersten Testballons soll ein von Siemens entwickelter Service dienen, der den Nutzer lokalisiert und Einkaufsmöglichkeiten oder Touristenattraktionen in der Nähe anpreist. Außerdem entwickeln rund 40 große Firmen UMTS-Versionen ihres Wap-Angebots: von Wetterinformationen bis zu Videoclips zum Herunterladen.

Der Betrieb auf der Isle of Man wird nur erste Hinweise darauf geben, womit sich im UMTS-Netz tatsächlich Geschäfte machen lassen, das ist den Beteiligten klar. Doch für Briers hat das Projekt weit mehr als den Charakter eines Experiments: "Wir betrachten die Isle of Man als die Keimzelle des gesamteuropäischen UMTS-Netzwerks."