Unaufhaltsamer Anstieg: Ölpreis klettert auf 75 Dollar - DER SPIEGEL
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Unaufhaltsamer Anstieg Ölpreis klettert auf 75 Dollar

Der Ölpreis hat zum ersten Mal die historische Rekordmarke von 75 Dollar je Barrel überschritten. Während die G7-Staaten befürchten, dass die Weltwirtschaft Schaden nehmen könnte, zeigt sich Irans Präsident Ahmadinedschad mit der Preisexplosion äußerst zufrieden.
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Hamburg/Teheran/Frankfurt - Schrumpfende Rohöl- und Benzinvorräte in den USA und vor allem der Atomstreit mit Iran haben den Preis Händlern zufolge angeheizt, mit drastischen Konsequenzen: Der Wert für die Referenzsorte Light Sweet Crude lag bei Handelsschluss an der Wall Street am Freitagabend bei 75,17 Dollar pro Barrel.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, Mitverursacher des drastischen Preisanstieg, äußerte sich sehr befriedigt zu der Situation: Die reichen Industrieländer, die Milliarden Dollar an Einkommen hätten, müssten "den wahren Ölpreis bezahlen", sagte er. Iran ist der viertgrößte Öllieferant der Welt.

Angesichts des Höhenfluges der Ölpreise sind dagegen die sieben größten Industrienationen (G7) in Sorge, dass es zu negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft kommen könnte. Von den Entwicklungen auf den Ölmärkten gingen "Risiken" für die globale Konjunktur aus, hieß es in dem Entwurf für ein gemeinsames Kommuniqué der G-7-Finanzminister, die sich am Freitag in Washington getroffen hatten. Das Kommuniqué sollte nach Ende der Sitzung offiziell veröffentlicht werden. Grundlage für die Beratungen war eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF), in der vor ernsthaften Risiken der hohen Energiepreise für die globale Konjunktur gewarnt wird.

Der britische Schatzkanzler Gordon Brown hatte vor dem Treffen einen Apell an die Erdöl exportierenden Länder (OPEC) angekündigt. Sie sollten demnach mehr in neue Produktionsfelder und Raffineriekapazitäten investieren, berichtete die Wirtschaftsagentur Bloomberg. "Wenn die OPEC am 1. Juni zusammenkommt, muss sie die Produktionsquoten anschauen und überlegen, wie die Ölförderung gefördert und die Raffineriekapazität erhöht werden können", sagte Brown.

Die G7 umfassen die sieben wichtigsten Industrieländer, die rund Zweidrittel der Weltwirtschaft ausmachen: die USA, Japan, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Deutschland wurde bei dem Treffen durch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Bundesbankpräsident Axel Weber vertreten.

Deutsche Autofahrer tanken weniger

Deutliche Auswirkungen hat der Preisanstieg beim Erdöl auf das Verhalten der Autofahrer in Deutschland. Sie reagieren zunehmend auf die hohen Treibstoffpreise, indem sie weniger Benzin tanken. "Der Verbrauchsrückgang ist in diesem Jahr stärker, als wir es erwartet hatten", sagte Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Hamburg. So ging der Benzinabsatz im März gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 9,1 Prozent zurück.

Für die ersten drei Monate liegt das Minus bei 6,3 Prozent. Beim Diesel ist die Entwicklung etwas weniger ausgeprägt, aber in den ersten drei Monaten ebenfalls um 2,1 Prozent rückläufig. Doch auch sparsamere Motoren bei Neuwagen, mehr Dieselfahrzeuge in der deutschen Autoflotte und der Tanktourismus zu preisgünstigeren Stationen im Ausland tragen zum Absatzminus bei.

Tiefensee: Autofahren soll erschwinglich bleiben

Angesichts der anhaltenden Preisralley beim Benzin forderte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die Mineralölkonzerne erneut zum Maßhalten auf. Sie sollten "ihren Beitrag leisten, damit das Autofahren erschwinglich bleibt", sagte der Minister. Allerdings müssten sich die Autofahrer auf absehbare Zeit darauf einstellen, dass die Spritpreise "nicht sinken werden". Immer wieder geäußerte Kritik über den 70prozentigen Steueranteil am Spritpreis wies Tiefensee zurück. Die Erhebung sei transparent, für eine Senkung gebe es keine Spielräume.

Die Benzinpreise in Deutschland hatten nach einer Preiserhöhung am Donnerstag mit durchschnittlich 1,38 Euro für den Liter Superbenzin und 1,17 für Diesel ihren höchsten Stand seit dem vergangenen September erreicht. Der Mineralölkonzern Shell setzte am Freitag die Preise für Benzin um zwei Cent und für Diesel um drei Cent je Liter herauf. Zur Begründung verwies ein Sprecher auf die hohen Preise an den internationalen Märkten. Die Wettbewerber folgten dem Preisschritt von Shell zunächst nicht.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) war am Donnerstag erstmals auf 67 Dollar für ein Barrel gestiegen. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Freitag waren das 64 Cent mehr als am Vortag. Die OPEC produziert zurzeit nach Angaben des Internationalen Energieberaters PVM in Wien an der Obergrenze ihrer Förderkapazität. Derzeit fördern die elf Mitgliedsländer der OPEC pro Tag rund 28 Millionen Barrel Öl.

fok/dpa/afp/Reuters