FLUGREISEN Ungleicher Kampf
Jan Maarten de Vries kam früher als Exportmanager des niederländischen Chemiekonzerns Akzo in der ganzen Welt herum. Dabei lernte er ganz schnell unter anderem auch dieses: »In Deutschland sind die Flugtickets am teuersten.«
Das wußte der Holländer gleich für sich zu nutzen. Mit seinem Bruder Paul zog Jan Maarten de Vries vor gut fünf Jahren in Emmerich am Niederrhein das Reisebüro Exit-Reisen auf, das sich ganz auf Flugreisen für Geschäftsleute spezialisierte.
Das Unternehmen lief zunächst gut, denn die Dienste der Gebrüder de Vries waren preiswert. Die Kunden sparten je nach Ziel in der Business Class, die vollzahlenden Geschäftsleuten besseren Service als die Economy Class bietet, manchmal zehn, oft 30 Prozent und mehr des offiziellen Lufthansa-Tarifs (SPIEGEL 1-2/ 1981).
Doch nun soll es auch in Emmerich keine billigen Flüge mehr geben: Die Lufthansa will die lästigen Ticket-Verkäufer loswerden.
Jahrelang hatten die Manager des deutschen Flugkonzerns das holländische Brüderpaar mit Prozessen und einstweiligen Verfügungen überzogen.
Die Zwei-Mann-Agentur, so klagte der Staatsbetrieb, untergrabe mit ihren Billig-Tickets das Tarifgefüge der Fluggesellschaft. Im Klartext: Die Lufthansa will Monopolpreise und keinen Wettbewerb.
Am Ende konnten die beiden Niederländer nicht mehr durchhalten. »Wir haben fast nur noch prozessiert«, schildert Jan Maarten de Vries den ungleichen Kampf. Ihr Emmericher Reisebüro mußten sie aufgeben.
Dabei war die Rechtslage anfangs sehr günstig. Noch vor zwei Jahren hatten weder die Richter am Oberlandesgericht in Köln noch ihre Kollegen in Frankfurt etwas gegen den Handel mit Billig-Tickets einzuwenden.
Das Geschäftsprinzip der Holländer war ebenso einfach wie einleuchtend. Ganz legal kauften sie ihre Flugscheine mal in Portugal, mal in Griechenland oder auch in Großbritannien und in den USA - immer dort, wo die Tarife gerade S.66 niedrig und die Wechselkurse günstig waren.
Die Passagiere konnten dann nach Wahl von London oder Amsterdam aus losfliegen oder auch erst in Düsseldorf oder Frankfurt zusteigen und die erste Flugetappe einfach verfallen lassen. Es lohnte in jedem Fall.
Lange versuchten die Lufthansa-Manager vergeblich, dem Ärgernis beizukommen. Umsonst mühten sich ihre Juristen, den Exit-Brüdern das Handwerk zu legen. Auch mit der Drohung, Billig-Flieger einfach nicht mehr zu befördern, konnten sie die Exit-Kunden nicht einschüchtern.
Schließlich half ein mächtiger Verbündeter: Das Bonner Verkehrsministerium schuf mit zwei Verfügungen eine neue Rechtslage.
Zunächst, am 15. April 1981, schrieben die Beamten der Lufthansa, daß für alle Flüge, die von deutschen Flughäfen ausgehen, die amtlich festgelegten Tarife zu zahlen seien. Am 9. Februar 1982 bekamen alle ausländischen Fluggesellschaften, die in der Bundesrepublik vertreten sind, eine ähnliche Mahnung aus Bonn.
Daraufhin änderte auch das Oberlandesgericht Köln seine bisherige Meinung. Am 12. November vergangenen Jahres verboten die Kölner Richter den weiteren Handel mit den ausländischen Flugscheinen als »Verstoß gegen Wettbewerbsrecht«. Exit-Reisen wurde liquidiert.
Aber so leicht wollen sich die beiden wackeren Niederländer nicht ducken lassen. Nach einem kleinen Ortswechsel, versicherte Jan Maarten de Vries vergangene Woche, »läuft das Geschäft wie früher«.
Seit Anfang des Jahres nämlich fährt Jan Maarten de Vries jeden Morgen mit dem Auto von Emmerich zwei Kilometer über die deutsche Grenze ins niederländische 's-Heerenberg. Dort versorgt nun eine neue Firma, die de Vries Ticket Service B.V., die Stammkunden in der Bundesrepublik mit preiswerten Flugscheinen.