Unikliniken: Verschnaufpause im Ärztestreik - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Unikliniken Verschnaufpause im Ärztestreik

Erst gestern hatten die Uniklinik-Ärzte ihren Streik begonnen. Heute hören sie damit schon wieder auf - vorerst bis Montag. Nur in Heidelberg wollten die Mediziner kein Zeichen des guten Willens setzen. Dort geht der Arbeitskampf ununterbrochen weiter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Es sind versöhnliche Signale, die die Ärzteschaft der deutschen Universitätskrankenhäuser aussendet: Ab sofort wird bis Montag wieder gearbeitet. Gleichzeitig bekräftigte die Arbeitgeberseite ihre Verhandlungsbereitschaft und rechnete mit einem Gespräch in der kommenden Woche. Nach dem Auftakt mit bundesweit rund 6000 Streikenden und einer zentralen Demonstration in Mainz am Donnerstag waren nur an der Universitätsklinik Heidelberg rund 1000 Mediziner im Ausstand.

Ab Montag soll der Ausstand an Universitäts- und Landeskliniken allerdings wieder massiv ausgeweitet werden - schwerpunktmäßig in Baden-Württemberg. Dort sollen erstmals auch psychiatrische Landeskliniken bestreikt werden. Für Mittwoch ist eine zentrale Kundgebung in Hannover geplant. Die Ärzte protestieren gegen schlechte Arbeitsbedingungen und fordern bis zu 30 Prozent mehr Gehalt.

"Der Gesprächsfaden ist von unserer Seite aus nicht abgerissen", sagte der Geschäftsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Ulrich Konstantin Rieger, der Nachrichtenagentur AP. Am Montag werde die TdL auf einer Mitgliederversammlung in Hannover über das weitere Verfahren beraten. Sicher werde es im Lauf der Woche zu einem vertraulichen Gespräch mit dem Marburger Bund kommen, sagte Rieger.

Politiker über Ärzteforderungen empört

Der Ärztegewerkschaft Marburger Bund warf er vor, sie habe ihre Mitglieder nicht eingehend über das Angebot der Länder informiert. Sie hätten ein differenziertes System vorgeschlagen, dass die besondere Situation der Ärzte auch im Hinblick auf Überstunden aufgreife und Mehreinkommen bis zu 50 Prozent ermögliche. 30 Prozent mehr Geld für alle aber, wie es der Marburger Bund fordert, sei in der heutigen Zeit "schlichtweg nicht machbar".

Heftige Kritik kam aus der Politik. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor zusätzlichen Kosten von drei Milliarden Euro, sollte den Forderungen der Klinikärzte nachgegeben werden.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger sagte: "Ärzte sind bei ihren Verdiensten nicht unterprivilegiert, und die Arbeitsbedingungen sind auch nicht so unmenschlich, wie sie dargestellt werden." Von einer Fundamentalstrategie des Marburger Bundes sprach die Grünen-Expertin Birgitt Bender. Die Arbeitsbedingungen gerade für junge Ärzte an den Kliniken seien zwar schlecht. Bei einer Forderung von 30 Prozent mehr Gehalt fasse sich aber jeder an die Stirn.

Auch die niedergelassenen Ärzte wollen in der kommenden Woche protestieren. Der Hartmannbund hat für kommenden Freitag zu einer bundesweiten Protestdemonstration in Berlin aufgerufen.

kaz/AP