Uno-Studie: Al-Qaida gewinnt den Finanzkrieg - DER SPIEGEL
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Uno-Studie Al-Qaida gewinnt den Finanzkrieg

Osama bin Ladens Terrorgruppe al-Qaida weicht den Versuchen, ihr Millionen-Vermögen zu beschlagnahmen, mit wachsendem Erfolg aus - das ist das Fazit eines noch unveröffentlichten Uno-Berichtes. Deutliche Kritik üben seine Autoren an den Grenz- und Finanzkontrollen in der EU.
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Washington/New York - Die US-geführte Kampagne der Finanzfahnder kommt nach Anfangserfolgen offenbar zunehmend ins Stocken. Nachdem in den Monaten direkt nach dem 11. September weltweit über 112 Millionen Dollar mutmaßlicher Terroristen-Gelder eingefroren worden seien, sei die Summe der gesperrten Gelder den vergangenen acht Monaten auf nur noch zehn Millionen gesunken, zitiert die "Washington Post" am Donnerstag vorab aus dem 43-seitigen Bericht des mit al-Qaida befassten Uno-Gremiums. Offiziell veröffentlicht werden soll der Bericht in der kommenden Woche.

"Al-Qaida ist in jeder Hinsicht gesund und munter und bereit, nach eigenem Belieben anzugreifen", zitiert die Zeitung weiter aus dem Entwurf des Berichtes. Dem Terror-Netz sei es gelungen, Finanz-Blockaden zu umgehen, indem es seine Aktiva in Sachwerte wie Edelmetalle und -steine umgetauscht habe.

Nach wie vor sei es fast unmöglich, Geldtransfers zu stoppen, die über das informelle Hawala-System ablaufen, da es dann keinerlei schriftlichen Belege gibt. Weiterhin flössen den Terroristen Umsätze aus Schmuggelgeschäften, Räubereien und dem Betrug mit Kreditkarten zu. Auch nehme al-Qaida aus Spenden nahezu ungehindert geschätzte 16 Millionen Dollar im Jahr ein.

Der Uno-Bericht erklärt den Fahndungs-Misserfolg unter anderem mit den Schwierigkeiten, gegen scheinbar religiöse und wohltätige Organisationen vorzugehen, die heimlich Terror-Gelder transferieren. Problematisch seien auch die laschen Grenzkontrollen in den Schengen-Staaten der EU. So seien in den Datenbanken der EU-Grenzschützer nur 40 der 219 Personen, die nach einem Beschluss des Uno-Sicherheitsrates als Terror-Finanziers gelten, als Verdächtige identifiziert.

Viele EU-Länder weigerten sich, die Uno-Liste vollständig anzuerkennen, weil sie die Beweise gegen die Verdächtigen für nicht stichhaltig hielten. Einige der auf der Liste genannten Personen hätten in der EU zudem Klagen eingereicht. Die deutsche Regierung hat auf Grund eigner rechtlicher Bedenken nicht alle Geldmittel der laut Uno-Beschluss Verdächtigen eingefroren.

Das Uno-Gremium vermutet dem Bericht zufolge, dass al-Qaida unter dem Namen von Mittelmännern Konten unter anderem in Dubai, Hongkong, London, Malaysia und Wien unterhält. In Nordafrika, dem Nahen Osten und Asien verfüge die Gruppe über Aktiva von mindestens 30 Millionen, vielleicht sogar 300 Millionen Dollar. Eine weitere wichtige Geldquelle der Terror-Finanziers sei weiterhin das private, ererbte Vermögen ihres Anführer Osama bin Laden.