»Unter Tarif« - DER SPIEGEL
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»Unter Tarif«

• aus DER SPIEGEL 42/1996
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Herr Hartmann, Sie haben am Mittwoch Ihren Urlaub unterbrochen, um ein neues Telefonbündnis zu schließen. Kam das Angebot von RWE-Chef Dietmar Kuhnt so überraschend?

Hartmann: Ja, und auch die Pläne sind noch gar nicht so alt. Das erste Gespräch zwischen Herrn Kuhnt und mir fand vor drei Wochen statt. Danach ging alles sehr schnell und unproblematisch.

SPIEGEL: Das klingt wie eine heimliche Bruderschaft zwischen den beiden größten Stromversorgern der Republik.

Hartmann: Nein, überhaupt nicht. Noch vor einem halben Jahr hätte ich eine solche Partnerschaft eher ausgeschlossen. Aber mittlerweile haben alle privaten Anbieter gemerkt, daß sie nicht stark genug sein können, um 1998 gegen die Telekom anzutreten.

SPIEGEL: Selbst die milliardenschweren Konzerne Veba und RWE haben sich übernommen?

Hartmann: Noch nicht! Das Geschäft fängt ja erst an.

SPIEGEL: Nun hat sich RWE nicht gerade als bündnistreuer Partner erwiesen. Zwei Partnerschaften, die eine mit Mannesmann, die andere mit Viag, sind schon geplatzt. Was macht Sie sicher, daß die neue Allianz hält?

Hartmann: Zwischen Herrn Kuhnt und mir besteht ein ausgezeichnetes Verhältnis. Außerdem arbeiten wir in anderen Geschäftsfeldern gut zusammen. Auf dem Telefonmarkt wird uns das helfen.

SPIEGEL: Genau das befürchtet auch das Kartellamt. Denken Sie nicht, daß es Widerstand gegen eine Allianz der beiden Stromgiganten gibt?

Hartmann: Zuerst einmal: Das Strommonopol steht vor dem Fall. Und einen Großteil ihres Umsatzes machen beide Konzerne in anderen Geschäftsbereichen. Außerdem glaube ich nicht, daß es Einwände des Kartellamtes geben wird - hier tritt David gegen Goliath an.

SPIEGEL: Die bisherigen Bündnisversuche der RWE sind auch daran gescheitert, daß RWE immer die unternehmerische Vorherrschaft beanspruchte. Kann das auch Ihnen noch gefährlich werden?

Hartmann: Nein. Die Dinge sind klar geregelt. Die Führung liegt bei einer Management-Gesellschaft, in der Veba und ihr englischer Partner eine 60-Prozent-Mehrheit halten. Das Konzept unserer Telekomtochter Vebacom wird von RWE voll akzeptiert.

SPIEGEL: Das weiß Herr Kuhnt auch schon?

Hartmann: Ja, darüber gibt es schriftliche Vereinbarungen. Insgesamt wollen wir die gewaltige Summe von bis zu zehn Milliarden Mark in den neuen Geschäftszweig investieren und rund 10 000 neue Arbeitsplätze schaffen.

SPIEGEL: Welche Chancen rechnen Sie sich im Telefongeschäft aus?

Hartmann: Der Telekommunikationsmarkt wird auf ein Umsatzvolumen von rund 100 Milliarden Mark geschätzt. Davon wollen wir 12 bis 15 Prozent.

SPIEGEL: Das wird ja immer weniger. Noch vor drei Wochen wollten Veba und RWE, damals alleine, jeweils zehn Prozent erringen.

Hartmann: Wenn Sie die Ankündigungen aller künftigen Telefongesellschaften zusammenzählen, kommen Sie auf weit über 100 Prozent. Man darf das nicht alles glauben. Auf dem Markt wird sich auch in Zukunft noch viel bewegen.

SPIEGEL: Experten rechnen bei der Telekom in den nächsten Jahren mit Preissenkungen von bis zu 40 Prozent. Wie teuer wird das Telefonieren bei der Veba ab 1998?

Hartmann: In Mark und Pfennig kann ich das noch nicht sagen. Aber was klar ist, wir werden immer deutlich unter den jeweils gültigen Tarifen der Telekom liegen. Das wird unsere Stärke.

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