Hoffnung auf Wende: Commerzbank plant Comeback mit Investmentbanking - DER SPIEGEL
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Hoffnung auf Wende Commerzbank plant Comeback mit Investmentbanking

Mit Milliarden hat der Staat die Commerzbank gerettet - doch jetzt hat das Geldhaus schon wieder große Pläne: Ausgerechnet beim größten Verlustbringer in der Krise, dem Investmentbanking, will die Bank deutscher Marktführer werden.
Commerzbank-Zentrale: Die Staatsbanker wollen wieder hoch hinaus
Commerzbank-Zentrale: Die Staatsbanker wollen wieder hoch hinaus

Commerzbank-Zentrale: Die Staatsbanker wollen wieder hoch hinaus

Foto: A3471 Boris Roessler/ dpa
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Frankfurt am Main - Schon wieder eine Bank, die nichts dazugelernt hat? Die Commerzbank  , die in der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht war und nur mit Staatshilfen von mehr als 18 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet werden konnte, hat wieder große Pläne: Ausgerechnet beim riskanten Investmentbanking, also etwa der Betreuung von Börsengängen von Unternehmen oder der Entwicklung neuer Wertpapiere, will das Institut zum deutschen Marktführer aufsteigen.

"Wir wollen die Nummer eins unter den Investmentbanken in Deutschland werden", sagte der Chef der Investmentbanking-Sparte und Commerzbank-Vorstandsmitglied Michael Reuther dem "Handelsblatt". Bei den Gebühreneinnahmen liegt das fusionierte Institut derzeit noch deutlich hinter Branchenprimus Deutsche Bank  , der zudem keine Staatshilfe benötigte und daher auch keinen Bonusbeschränkungen unterliegt.

Neben der Deutschen Bank sieht Reuther die deutschen Töchter der beiden US-Investmentbanken Goldman Sachs   und Morgan Stanley   als wichtigste Wettbewerber. Nach der Übernahme der Dresdner Bank im vergangenen Jahr komme die Commerzbank heute an Aufträge heran, die "die beiden Banken für sich alleine genommen vor zwölf Monaten nicht erhalten hätten", sagte er. Langfristig soll das Investmentbanking 20 bis 25 Prozent zum Vorsteuerergebnis beitragen.

Bank will Staatshilfen zurückzahlen

Die Commerzbank, die 2008 einen Verlust von sechs Milliarden Euro eingefahren hatte, setzt auch deshalb wieder voll auf Expansion, weil sich die wirtschaftliche Lage des Instituts deutlich gebessert hat. Zwar sei die Bank bislang davon ausgegangen, erst ab 2011 wieder Gewinne zu machen, "aber es könnte auch früher sein", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing der "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Im zweiten Quartal von April bis Juni habe sein Institut bereits wieder Steuern gezahlt. "Und ich erwarte, dass es 2010 noch besser wird", sagte Blessing. Seinen Tiefpunkt habe das Institut bereits im ersten Quartal 2009 erreicht.

Entsprechend will der Commerzbank-Chef auch die bei seinen Plänen eher lästigen Staatshilfen möglichst bald zurückzahlen. "Je eher, desto besser", sagte er der "FTD". Das Geld dafür könne aus einbehaltenen Gewinnen, der Ausgabe neuer Aktien oder dem Verkauf von Unternehmensteilen kommen. "Am Ende wird es wahrscheinlich eine Kombination daraus sein." Nach Angaben der "Financial Times" rechnen aber nicht einmal Optimisten vor 2012 mit einer Überweisung nach Berlin.

Der Bund hat mit seiner Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie ein erhebliches Mitspracherecht bei der Commerzbank. Für die Beteiligung zahlte er zu Jahresbeginn 1,8 Milliarden Euro. Zudem wird die Bank mit einer stillen Einlage des Staates von 16,4 Milliarden Euro gestützt, die ihm aber keine Sonderrechte einräumt.

böl/AFP/Reuters/dpa