Abgang des Bundesbank-Chefs: Finanzbranche rätselt über Webers Volte - DER SPIEGEL
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Abgang des Bundesbank-Chefs Finanzbranche rätselt über Webers Volte

Bundesbankchef Axel Weber sollte der erste Deutsche an der EZB-Spitze werden - jetzt will er seinen Posten verlassen. Die Chancen auf den Job als oberster Euro-Hüter dürften damit passé sein. Die Finanzszene spekuliert darüber, ob es den Geldmanager zur Deutschen Bank treibt.
Abgang des Bundesbank-Chefs: Finanzbranche rätselt über Webers Volte
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Abgang des Bundesbank-Chefs: Finanzbranche rätselt über Webers Volte

Foto: ddp
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Frankfurt am Main - Bleibt Axel Weber, oder geht er? Und wenn der Präsident die Bundesbank verlässt, wohin zieht es ihn dann? Das waren die beiden Fragen, die am Mittwoch die europäische Finanzszene beschäftigten.

Als sicher gilt inzwischen, dass Weber spätestens im kommenden Frühjahr Ex-Bundesbankchef sein wird. Eine weitere Amtszeit hat er definitiv ausgeschlossen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung will der 53-Jährige bereits im Sommer 2011 gehen. Eine Person aus seinem direkten Umfeld sagte, der aus der Pfalz stammende Ökonom sehe seine Aufgabe bei der Bundesbank nach sieben Jahren im Amt "als weitgehend erfüllt" an. Webers Amtszeit endet offiziell im April 2012.

"Damit naht der geeignete Zeitpunkt, die Bundesbank auch personell für das neue Jahrzehnt aufzustellen. Dies geschieht in engster Abstimmung mit der Bundeskanzlerin. Die Bundesbank wird als geordnetes Haus an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben. Für eine zweite Amtszeit an der Spitze der Bundesbank steht Weber nicht zur Verfügung", wurde die Person zitiert.

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Bundesbank: Wer folgt auf Weber?

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EZB-Präsident Trichet scheidet Ende Oktober aus

Offen ist allerdings noch, welchen Job Weber in Zukunft machen wird. Nach Meinung einiger Beteiligter ist er bei der Suche nach dem künftigen Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) aus dem Rennen. "Die Kandidatur Webers hat sich erledigt", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Andere Insider bestätigten das. Die Bundesbank wollte keinen Kommentar abgeben.

Die Amtszeit des jetzigen EZB-Chefs Jean-Claude Trichet endet am 31. Oktober dieses Jahres. Weber ist eine der einflussreichsten Stimmen im EZB-Rat, der über die Geldpolitik für die Euro-Zone entscheidet. Er gilt als geldpolitischer Hardliner, der in der Hochzins-Tradition der Bundesbank steht.

Neben Italiens Zentralbankgouverneur Mario Draghi galt der Deutsche bislang als aussichtsreichster Kandidat für den Top-Job - auch wenn vor allem aus Frankreich Widerspruch laut wurde. Zuletzt hatte es auch Meldungen gegeben, der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen könne Nachfolger Trichets werden, sollten weder Weber noch Draghi international durchsetzbar sein.

Immer wieder hatte es auch Spekulationen gegeben, Weber könne zur Deutschen Bank wechseln, um dort eventuell Nachfolger des 2013 abtretenden Vorstandschefs Josef Ackermann zu werden. In hochrangigen Frankfurter Finanzkreisen hieß es, es gebe bis dato keine Vereinbarung zwischen der Bank und Weber, dass der ehemalige Volkswirtschaftsprofessor und frühere Wirtschaftsweise in die Privatwirtschaft gehe.

Als Favorit gilt Kanzlerberater Weidmann

Weiter hieß es, denkbar sei auch, dass Weber nach einer gewissen Übergangsfrist Aufsichtsratschef des Instituts würde. Bankenanalyst Konrad Becker von Merck Finck bleibt angesichts der mangelnden Erfahrung Webers im kommerziellen Bankgeschäft aber skeptisch: "Er wäre in jedem Fall der teuerste Lehrling der Deutschen Bank." Denkbar ist auch, dass Weber sich aus privaten Gründen von seinem jetzigen Posten zurückzieht und zunächst kein neues hochrangiges Amt anstrebt.

Als aussichtsreicher Nachfolger für den Job an der Spitze der Bundesbank gilt der wirtschaftspolitische Berater der Kanzlerin, Jens Weidmann. Der 42-Jährige sei in Regierungskreisen und in Bundesbank-Kreisen der Favorit, berichtet die "Bild"-Zeitung (siehe Fotostrecke).

Der Bundesbankchef gilt als "Ziehvater" Weidmanns. Er hatte Weidmann vor Jahren in die Bundesbank geholt, ihm dort die Abteilung Geldpolitik anvertraut und später der Kanzlerin als wichtigsten wirtschaftspolitischen Berater empfohlen. Neuer Bundesbankvize könnte Joachim Nagel werden. Er war erst vor wenigen Monaten als Nachfolger Thilo Sarrazins in den Vorstand der Bundesbank eingetreten.

böl/Reuters/dapd