Schmiergeldprozess Gribkowsky belastet Formel-1-Chef Ecclestone
Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky, mit Anwalt Rainer Brüssow: Späte Einsicht
Foto: dapdMünchen - "Es stimmt im Wesentlichen." Mit diesem Satz verblüffte Gerhard Gribkowsky am Mittwoch beim Schmiergeldprozess im Münchener Landgericht. Nach mehr als 40 Verhandlungstagen und anderthalb Jahren Untersuchungshaft legte der Ex-BayernLB-Vorstand ein Geständnis ab. Er habe einen "Riesenberg Geld" von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhalten.
Gribkowskys späte Einsicht hat eine Vorgeschichte. Der Richter hatte ihm das Geständnis zuvor nahegelegt und gesagt, dass er das Strafmaß in diesem Falle auf sieben bis neun Jahre eingrenze. Dann fragte er schlicht: "Stimmt es, was in der Anklage steht?"
In der Anklage wird Gribkowsky Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen, weil er als Risikovorstand der Bayerischen Landesbank 44 Millionen Dollar von Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino angenommen habe. Gribkowsky sollte damals die Formel-1-Anteile verkaufen, die der Bank nach der Kirch-Pleite zugefallen waren.
Gribkowsky beginnt etwas umständlich, über dieses Geschäfts und die juristischen Auseinandersetzungen mit Ecclestone zu sprechen, aus denen die BayernLB zunächst siegreich hervorgegangen war.
Dann kommt der Angeklagte zur Sache: Ecclestone habe ihm im Mai 2005 klargemacht, dass er alle Fäden in der Hand halte, die Werthaltigkeit der Formel-1-Anteile zu vernichten oder zu kreieren. Die Formel 1, so Gribkowsky, sei ja nichts weiter als zwei Aktenschränke voller Verträge. Doch alles stehe und falle nun mal mit Ecclestone. Sogar die externe Formel-1-Vermarktungsgesellschaft, die Allsports Management in Genf, werde von ihm kontrolliert. So hätte er leicht außerhalb der Holding, an der die BayernLB beteiligt war, eine neue Rennserie eröffnen können.
Ecclestone soll einen Mitarbeiter vorgeschickt haben
"Ich erkläre dir jetzt, wie das Leben ist", habe Ecclestone ihm damals in seinem Londoner Büro gesagt. Und dann habe er Gribkowsky ein Angebot gemacht: "Wenn du mir hilfst, die Formel-1 zu verkaufen, beschäftige ich dich als Berater."
Im Oktober 2005 habe Bambino-Chef Stephen Mullens dann den Inhalt dieser Beratertätigkeit näher definiert und ihm als Honorar eine Summe von 500.000 Dollar bis 50 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Gribkowsky schlug ein, nach eigener Schilderung einerseits frustriert, jahrelang umsonst für die Interessen der BayernLB gekämpft zu haben, aber auch angezogen von der Dynamik der Formel 1, die so ganz anders war als die verstaubte Landesbank in München. Vor allem das Geschäft mit den Sponsoren habe ihn interessiert.
Dass er sich damit als Vorstandsmitglied der BayernLB "zwischen alle Stühle setzt", sei ihm erst mit der Zeit bewusst geworden. Er habe das immer wieder ausgeblendet: "Mir wurde klar, dass ich auf relativ dünnem Eis wandelte."
"Ich hätte die Provision ablehnen müssen"
Aber er sei da nicht mehr herausgekommen, der Verkaufsprozess lief ja schon, erzählte Gribkowsky. Ecclestone und er seien fortan immer gemeinsam aufgetreten und hätten die Renn-Teams der Autohersteller gegeneinander ausgespielt.
In seinem 90-minütigen Geständnis, das er weitgehend gelassen vortrug, räumte Gribkowsky ein, dass er bei der Gewährung einer Verkaufsprovision an Ecclestone Rücksicht auf seinen "zukünftigen Chef und Auftraggeber" genommen habe. Er habe die Summe zwar heruntergehandelt, aber: "Ich hätte die Provision schlicht ablehnen müssen."
Auch bezüglich der Summe, die Bambino von der BayernLB verlangte (wegen angeblich zuvor ausgelegten Geldes an die Renn-Teams), zeigt sich Gribkowsky schuldbewusst: "Wahrscheinlich hätte man sie wegverhandeln können. Ich habe sie nicht wegverhandelt".
"Auf welchen Knopf hat der kleine Mann gedrückt?"
Weniger einsichtig zeigt sich Gribkowsky beim Thema Versteuerung der später tatsächlich geflossenen "Beratungshonorare", die er auf 45 Millionen Dollar beziffert. Für deren Vereinnahmung hatte er eine eigene Gesellschaft in Salzburg gegründet und diese später mit der Gründung einer Kinderkrebs-Stiftung steuerschonend verbrämt. Gribkowsky versichert, wirklich den sozialen Zweck verfolgt zu haben. Als sein eigener Sohn aus erster Ehe an Krebs erkrankt sei, "habe ich das Leben auf der Kinderkrebsstation kennengelernt".
Als der Richter nachfragt, warum der Angeklagte die Gelder denn in seiner deutschen Steuererklärung komplett verschwiegen habe, sagt Gribkowsky: "Ich habe mir vorgemacht: Solange dir persönlich nichts zufließt, bist du nicht steuerpflichtig." In den anderthalb Jahren Untersuchungshaft in Stadelheim habe er sich, auch mit Hilfe eines Geistlichen, immer wieder gefragt: "Was ist da eigentlich damals mit dir passiert?" In Anspielung auf Ecclestones Körpergröße fügte Gribkowsky hinzu: "Auf welchen Knopf hat der kleine Mann gedrückt, dass du die Augen zugemacht hast?"
Blass, aber gefasst beantwortet Gribkowsky am Nachmittag weitere Fragen. Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft wird für Mittwoch kommender Woche erwartet, bald danach soll das Urteil folgen. Trotz seiner späten Einsicht drohen dem Banker weitere sechs bis siebeneinhalb Jahre Gefängnis.
Ob das Geständnis dazu führt, dass auch Ecclestone bald als Beschuldigter geführt wird, ist offen. Sein Anwalt wies nach dem Prozess alle Vorwürfe gegen den Formel-1-Chef zurück. Die Verhandlung vor dem Münchner Landgericht sei für das Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten nicht bindend, sagte der Düsseldorfer Rechtsanwalt Sven Thomas. Er habe an dem Prozess nicht teilnehmen und daher auch keinen Einfluss nehmen können.