Air-Berlin-Insolvenz Lufthansa offenbar an Langstrecken interessiert
Air-Berlin-Maschine landet in Berlin Tegel
Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERSDie Lufthansa will Unternehmenskreisen zufolge nach dem geplanten Kauf von Air Berlin die Mehrheit der Überseeflüge der Airline weiter betreiben. Geplant sei, Verbindungen von Berlin und von Düsseldorf aus weiter zu bedienen, hieß es demnach.
Insgesamt wolle die Lufthansa für ihre Billigtochter Eurowings etwa ein Dutzend der 17 Langstreckenmaschinen des insolventen Wettbewerbers übernehmen. Eurowings würde bei einem Zuschlag zwei Langstreckenflieger in der Hauptstadt stationieren und von dort Ziele an der Ostküste der USA anfliegen. Vorstellbar seien Flüge von der Hauptstadt an die US-Ostküste, etwa nach New York oder Washington. Bisher hat die Lufthansa keine Langstreckenflüge von Berlin aus im Programm.
Insgesamt bietet die Lufthansa Insidern zufolge für bis zu 70 der rund 140 Maschinen. Der deutsche Marktführer ist vor allem an der Touristik-Tochter Niki interessiert.
Müller spricht sich gegen Ryanair aus
Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte kritisiert, Air Berlin werde in einem mit der Politik "abgekarteten" Spiel zerschlagen, um die Lufthansa zu stärken. Der Ire kündigte ein Gegenangebot für Air Berlin an. Am Mittwoch will er dazu auf einer Pressekonferenz in Berlin Stellung nehmen.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) warnte jedoch vor einem solchen Schritt. "Ryanair ist ein arbeitnehmerfeindliches Unternehmen. Das Geschäftsmodell ist frühkapitalistisch", sagte er dem "Tagesspiegel". Er glaube vielmehr, "es ist für alle Beteiligten unstrittig, dass bei mehreren seriösen Bewerbern die Lufthansa für Verlässlichkeit steht".
Angestellte fürchten um ihre Jobs
Die Beschäftigten von Air Berlin bangen um ihre Zukunft. "Uns ist wichtig, dass die Mitarbeiter eine Perspektive kriegen, mit welchem Anbieter auch immer das Verfahren weiterläuft", sagte der Vize-Chef des Gesamtbetriebsrats, Wolfgang Fleischer, nach einem Treffen mit Müller. Die Stimmung im Unternehmen sei zwar gedrückt, es gebe aber keine Massenflucht von Mitarbeitern, sagte Fleischer.
Müller sicherte den Beschäftigten Unterstützung zu. "Es geht nicht nur um das Fluggerät, um Slots, sondern auch um viele Tausend Beschäftigte", sagte er. Mögliche Käufer sollen auch das Personal übernehmen, und zwar zu guten Konditionen.
Interessenten haben bis zum 15. September Zeit, um ihre Angebote abzugeben, bestätigte Air Berlin. Sechs Airlines und Luftfahrtunternehmer wollen nach Informationen aus Unternehmens- und Branchenkreisen für Air Berlin bieten. Zu den Interessenten zählen Ryanair, die britische Easyjet, der Ferienflieger Condor und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Die Zahl dürfte wegen neuer Interessenten noch steigen.
Überseeflüge werden früher gestrichen als geplant
Die Zeit drängt offenbar, da Air Berlin ab Mitte kommenden Monats einige Überseeflüge streicht, etwa von Berlin nach Abu Dhabi, dem Drehkreuz des Großaktionärs Etihad, und Chicago. Zudem fallen die Strecken von Berlin nach Los Angeles und San Francisco sowie von Düsseldorf nach Boston früher weg als bisher geplant, teilte Air Berlin mit.
Berlin hat dann nur noch zwei Langstrecken: Miami und New York. Düsseldorf behält zwölf. "Wir streichen verlustreiche Strecken", sagte ein Sprecher. Die Passagiere der betroffenen Flüge sollen umgebucht werden.
Nach Aussagen von Air-Berlin-Chefsanierer Frank Kebekus gingen die Buchungen seit der Pleite zurück, insbesondere auf der Langstrecke.
Air Berlin hat sich schwer damit getan, ein profitables Langstreckengeschäft aufzubauen. Dafür war die Flotte mit 17 Jets zu klein. Zudem lief auf den Verbindungen von und nach Berlin das Geschäft mit Businesskunden schlecht, die einen höheren Preis pro Ticket zahlen.