Flugzeugbauer Airbus verfehlt selbst gesetzte Ausländer-Quote
Hoffnungsträger A350: Blockade aus Berlin für Multi-Millionen-Kredit
Foto: Airbus S.A.S.München/Paris - Mehr als ein Jahr nach dem Umzug der Airbus-Zentrale ins französische Toulouse mangelt es dem Flugzeugbauer an Internationalität. Nur 20 Prozent der Airbus-Beschäftigten im Hauptquartier haben keinen französischen Pass. Damit ist Airbus weit von seinem selbst gesteckten Ziel entfernt. "Wir streben in den zentralen Bereichen einen Wert von 40 Prozent Nicht-Franzosen an", sagte Airbus-Group-Personalvorstand Thierry Baril dem "Handelsblatt".
Die Frage des nationalen Proporzes hat traditionell Sprengkraft in dem Luft- und Raumfahrtkonzern. Seit der Gründung von Airbus - zwischenzeitlich hieß das Unternehmen EADS - achten besonders die Deutschen auf die Balance mit Frankreich. Dies stürzte Airbus immer wieder in Krisen, bis Konzernchef Tom Enders und sein Vorgänger Louis Gallois zuerst die Doppelspitze abschafften und dann die doppelte Konzernzentrale auflösten.
Doch vor allem die Bundesregierung wacht weiter über die Einhaltung der Parität im Unternehmen. So blockiert Berlin seit mehr als einem Jahr einen 600-Millionen-Euro-Kredit für den Bau des Langstreckenflugzeugs A350. Eine der Begründungen: Unterhalb von Enders und Airbus-Vize Günter Butschek gebe es zu wenig Deutsche in den Führungszirkeln. Die Verhandlungen mit der Bundesregierung über den Kredit sind abgebrochen.
Eine deutsche Managementgeneration fehle, klagt der Betriebsrat
Die Arbeitnehmervertreter von Airbus verfolgen die Entwicklung mit Sorge. "Hinter Enders und Butschek fehlt eine deutsche Managementgeneration", sagte Rüdiger Lütjen, Chef des Airbus-Gesamtbetriebsrats, dem "Handelsblatt". Kein Deutscher habe noch die Gesamtverantwortung über eines der großen Flugzeugprogramme, klagt er und fordert: "Wir müssen jetzt anfangen, wieder deutsche Airbus-Manager aufzubauen."