Insolvenzvorbereitung Alitalia wird unter Aufsicht gestellt
Alitalia-Flugzeug
Foto: TONY GENTILE/ REUTERSNach dem gescheiterten Rettungsversuch hat die italienische Fluggesellschaft Alitalia die Vorbereitungen für ihre Insolvenz gestartet. Das Management habe einstimmig entschieden, die "außerordentliche Sonderverwaltung" zu beantragen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Das kommt einer Insolvenzverwaltung gleich.
Am Abend gab das Ministerium für Wirtschaftliche Entwicklung dem Antrag statt. Die Regierung ernannte per Dekret außerdem drei Kommissare, die nun die Geschicke des seit Jahren in der Krise steckenden Unternehmens lenken müssen. Sie müssen ausloten, ob Alitalia die Wende schafft oder das Unternehmen aufgelöst werden muss. Der Flugbetrieb laufe zunächst weiter wie geplant, hieß es.
Im April hatte die 12.000 Beschäftigten in einer Abstimmung einen Sanierungsplan mit drastischen Sparmaßnahmen abgelehnt. Die italienischen Aktionäre und die arabische Fluglinie Etihad - der mit Abstand größte Aktionär - hatten daraufhin die im Plan vorgesehene Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro abgesagt. Die Aktionäre hätten das Ergebnis mit "tiefem Bedauern" zur Kenntnis genommen, denn das Votum habe eine Sanierung und einen Neustart der Gesellschaft verhindert, hieß es am Dienstag.
Ohne die Unterstützung aller Beteiligten für eine Umstrukturierung sehe sich Etihad nicht in der Lage, weiter in das Unternehmen zu investieren, erklärte Vorstandschef James Hogan laut Mitteilung. Die Übernahme von 49 Prozent der Anteile hat sich für die Araber bislang als teures Zuschussgeschäft erwiesen. "Wir haben alles getan, um Alitalia zu unterstützen (...), aber es liegt auf der Hand, dass diese Firma eine fundamentale und weitreichende Umstrukturierung braucht, um in Zukunft zu überleben und zu wachsen."
Eine Verstaatlichung der ehemaligen Staats-Fluglinie schloss die Regierung in Rom bislang aus. Sie will einen Käufer für die Krisen-Airline finden und stellte Alitalia für die Übergangszeit einen Brückenkredit von 300 bis 400 Millionen Euro in Aussicht. Europäische Konkurrenten wie die Lufthansa oder der Billigflieger Norwegian Air winkten aber bereits ab.
Alitalia steckt seit Jahren in der Krise. Billigflieger wie Ryanair und Easyjet drängten massiv auf den italienischen Markt und setzten die ohnehin schon schwache Alitalia unter Druck. Im Jahr 2015 lag der Verlust bei fast 200 Millionen Euro. Derzeit fliegt das Unternehmen eine Million Euro Verlust am Tag ein. Das Geld reicht Insidern zufolge noch bis Mitte Mai.