Arbeitskampf Amazon-Mitarbeiter wollen Streiks ausweiten
Amazon-Niederlassung in Rheinberg: Ver.di will mehr Mitarbeiter mobilisieren
Foto: Arnulf Stoffel/ AP/dpaBad Hersfeld/Leipzig - Die Beschäftigten des Onlinehändlers Amazon wollen ihren Arbeitgeber weiter unter Druck setzen. Sie streiken seit Montag an mittlerweile sechs von insgesamt neun Logistikstandorten in Deutschland für einen Einzelhandels-Tarifvertrag. Für Mittwoch hat Ver.di zur Teilnahme an einer Kundgebung in Koblenz aufgerufen.
Nach 2300 Teilnehmern am Montag und mehr als 2500 am Dienstag erwartete die Gewerkschaft eine weiter steigende Streikbereitschaft in den sechs Logistikzentren in Bad Hersfeld (Hessen), Koblenz (Rheinland-Pfalz), Leipzig (Sachsen), Graben (Bayern), Rheinberg und Werne (beide NRW). Amazon gab etwas niedrigere Teilnehmerzahlen bekannt: Demnach beteiligten sich am Montag 2100 und am Dienstag 2300 Beschäftigte an den Ausständen.
Am frühen Mittwochmorgen versammelten sich vor Beginn der Frühschicht etwa 20 Mitarbeiter an den Werkstoren am größten Standort im osthessischen Bad Hersfeld. Nach Angaben der Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke soll es dort um neun Uhr eine Abstimmung darüber geben, ob auch am Donnerstag weiter gestreikt werden soll.
Das Unternehmen reagierte bisher nach außen hin gelassen: Das Weihnachtsgeschäft laufe trotz des Ausstandes ohne Probleme, es sei nicht zu Lieferverzögerungen gekommen, sagte eine Unternehmenssprecherin. Dem widerspricht die Gewerkschaft: "Wir wissen, dass etliche Pakete liegen bleiben und Amazon nervös reagiert", teilte Stefanie Nutzenberger vom Ver.di-Bundesvorstand mit.
Die Streikenden wollen kurzfristig entscheiden, ob sie am Donnerstag wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Es werde aber auch dann weiter Druck auf Amazon ausgeübt, sagte ein Sprecher von Ver.di in Werne.
Die Gewerkschaft will bei Amazon einen Tarifvertrag zu den Konditionen des Einzelhandels durchsetzen. Amazon lehnt das strikt ab. Der US-Konzern sieht sich selbst als Logistiker. Die Bezahlung der Mitarbeiter in den neun deutschen Versandlagern liege am oberen Ende dessen, was in der Logistikbranche üblich sei. Eine Einigung ist nicht in Sicht - Ver.di ruft schon seit 2013 immer wieder zu Ausständen auf.