Asche-Flugverbot: "Das ist ein absurder Vorgang" - DER SPIEGEL
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Asche-Flugverbot "Das ist ein absurder Vorgang"

Die Aschewolke kostete die Airlines Millionen. Jetzt rufen viele nach Staatshilfe - Michael O'Leary nennt das "absurd". Im SPIEGEL-Interview spricht der Ryanair-Chef über Konsequenzen und verrät, warum seine Gesellschaft als erste einen längeren Flugstopp angekündigt hat.
Ryanair-Chef O'Leary: "Passagieren ständiges Umbuchen ersparen"
Ryanair-Chef O'Leary: "Passagieren ständiges Umbuchen ersparen"

Ryanair-Chef O'Leary: "Passagieren ständiges Umbuchen ersparen"

Foto: ERIC PIERMONT/ AFP
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SPIEGEL: Nach dem Vulkanausbruch auf Island kündigten Sie als erster Airline-Chef einen Flugstopp für zunächst drei und danach für weitere zwei Tage an. Hatten Sie bessere Informationen als Ihre Airline-Konkurrenten?

Michael O'Leary: Nein, aber für uns war aufgrund der Wettervorhersage völlig klar, dass die Asche vom Wind über das gesamte Wochenende weitergetrieben würde. Wir wollten unseren Passagieren Planungssicherheit geben und ständiges Umbuchen ersparen.

SPIEGEL: Große deutsche Fluggesellschaften haben die Behörden heftig kritisiert und darauf gedrängt, den Luftraum schnell wieder zu öffnen. Von Ihnen war ausnahmsweise mal wenig zu hören.

O'Leary: Wir haben in Irland auch Druck gemacht. Es ist doch kaum zu verstehen, weshalb in Europa gleich der gesamte Luftraum geschlossen wurde, während es beispielsweise in den USA in solchen Fällen erlaubt ist, um eine Aschezone herumzufliegen.

SPIEGEL: War die Entscheidung der Behörden ein Fehler?

O'Leary: Ja. Natürlich sollte ein Pilot nicht durch eine dunkle Aschewolke fliegen. Aber wenn Sie tausend Meilen von diesem verdammten Vulkan entfernt sind, und in der Atmosphäre ist nichts zu sehen, macht es keinen Sinn, gleich den gesamten Luftraum zu sperren.

SPIEGEL: Ryanair entstanden durch die Ausfälle Kosten von fast sechs Millionen Euro pro Tag. Beantragen Sie jetzt Staatshilfen?

O'Leary: Nein. Das bietet einigen verlustträchtigen Fluggesellschaften nur eine willkommene Gelegenheit, wieder die Hand aufzuhalten. Das ist ein absurder Vorgang. Wir fordern, dass die strengen EU-Vorschriften gelockert werden, wonach die Airlines gestrandeten Passagieren unbegrenzt alle Kosten für Übernachtungen oder Mahlzeiten erstatten müssen. Die Regelung war nicht für einen so langen Ausfall gedacht. Im Bahn-, Bus- oder Fährverkehr müssen die Firmen auch nur Aufwendungen in Höhe des Ticketpreises bezahlen.

SPIEGEL: Einige deutsche Fluggesellschaften haben ihre Kunden vergangene Woche in Jets zurückgeholt, die von den Piloten per Sichtflug gesteuert wurden. Was halten Sie davon?

O'Leary: Wir haben das nicht gemacht, weil wir es für unsicher hielten. Solange noch Asche in der Luft ist, weiß man nicht, ob man darüber oder darunter weg fliegen kann. Bei der Sicherheit unserer Passagiere machen wir keine Kompromisse.

Das Interview führte Dinah Deckstein