Umstrittener Steuervorteil Autoexperte fordert Ende der Diesel-Förderung
Tankstelle: 21,9 Cent Steuervorteil pro Liter Diesel
Foto: Hendrik Schmidt/ dpaHamburg - Ferdinand Dudenhöffer bekräftigt seine Kritik am Steuervorteil für Diesel. In einem Gastbeitrag des "Handelsblatts" wirft der Autoexperte der deutschen Politik vor, nichts aus den Fehlern der vergangenen Jahre gelernt zu haben. Die Bundesrepublik erlebe einen "regelrechten Dieselboom", der politisch verursacht sei.
Hintergrund von Dudenhöffers Kritik ist, dass Diesel in Deutschland steuerlich bevorzugt wird. Für den Liter Diesel zahlen Autofahrer 18,4 Cent weniger Energie- und Ökosteuer als für den Liter Benzin. Zusammen mit der in der Folge geringeren Mehrwertsteuer beträgt der Steuervorteil sogar 21,9 Cent.
Dudenhöffer bemängelt, dass die eigentlich als Korrektiv gedachte höhere Kfz-Steuer kontraproduktiv sei. Sie führe dazu, dass Vielfahrer eine Art "Mengenbonus" bekämen. Im Klartext: Wer viel fährt, profitiert stärker vom steuerbegünstigten Dieselkraftstoff. "Die Logik ist bizarr", schreibt Dudenhöffer im "Handelsblatt".
Der Autor ist Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Er hat sich schon öfter deutlich gegen die steuerliche Förderung von Diesel ausgesprochen. Anlass für seine aktuelle Kritik ist eine EU-Richtlinie, die Höchstgrenzen für Stickstoffdioxid in der Luft festlegt. Dudenhöffers Warnung: "Wer heute einen Diesel-Pkw kauft, läuft Gefahr, mit dem Fahrzeug Ende 2015 nicht mehr in Großstädten fahren zu dürfen." Grund sei, dass nur wenige Modelle die zukünftige Abgasnorm "Euro 6" erfüllen.
Der Autoexperte fürchtet auch Folgen für die deutschen Hersteller. Die "schräge Steuer" bremse Hybridfahrzeuge - und werfe damit die deutsche Autoindustrie im weltweiten Wettbewerb zurück.