Bertelsmann verkauft milliardenschwere RTL-Anteile - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Medienkonzern Bertelsmann verkauft RTL-Anteile

Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann wird einen milliardenschweren Aktienanteil an Europas größtem privaten Fernsehkonzern RTL Group verkaufen. RTL könnte damit in den MDax aufsteigen.
Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh: Milliardeneinnahmen durch Verkauf von RTL-Anteilen
Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh: Milliardeneinnahmen durch Verkauf von RTL-Anteilen

Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh: Milliardeneinnahmen durch Verkauf von RTL-Anteilen

Foto: dapd
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gütersloh/München - Bertelsmann macht seine Ankündigung wahr: Der deutsche Medienkonzern wird einen milliardenschweren Teil seiner RTL-Aktien verkaufen. Das Unternehmen werde seine Beteiligung an der RTL Group reduzieren, teilte Bertelsmann am Donnerstag in Gütersloh mit. Die Titel, die bisher in Luxemburg und Brüssel notiert sind, sollen noch vor der Sommerpause auch in Frankfurt gehandelt werden. Sie könnten mit einem Streubesitz von künftig bis zu 25 Prozent mittelfristig in den Nebenwerteindex MDax   aufsteigen.

Bertelsmann hatte vor gut zwei Monaten einen Verkauf von bis zu 17,3 Prozent der RTL-Anteile in Aussicht gestellt, um Geld für Investitionen in neue Geschäftsfelder hereinzubekommen. Der Medienkonzern besitzt 92,3 Prozent der Aktien und bekräftigte am Donnerstag, eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 75 Prozent behalten zu wollen. Bertelsmann plant nun ein öffentliches Angebot an private und institutionelle Investoren in Deutschland und Luxemburg. Außerhalb dieser Länder ist eine Privatplatzierung bei institutionellen Anlegern vorgesehen.

Bertelsmann hatte bereits Ende Januar mitgeteilt, einen teilweisen Verkauf seiner RTL-Anteile zu erwägen. Die Erlöse sollten "flexibel in neue strategische Wachstumsgeschäfte investiert" werden. RTL wird am Markt mit rund 8,5 Milliarden Euro bewertet, ein 17,3-prozentiges Paket liegt damit bei rund 1,5 Milliarden Euro. Doch könnte der tatsächliche Verkaufserlös stark davon abweichen, weil die Aktie angesichts des bisher geringen Streubesitzes nur wenig gehandelt wird. Um einen breiten Investorenkreis anzusprechen, organisiert Bertelsmann den Verkauf wie einen Börsengang. Eine Kapitalerhöhung sei allerdings nicht geplant, betonte RTL.

Der Verkaufserlös fließe allein an den Mutterkonzern. Die Federführung des zweiten Börsengangs liegt bei der Deutschen Bank   und Morgan Stanley  . Außerdem sind Bank of America  , Merrill Lynch  , Citigroup  , Credit Suisse  , Goldman Sachs  , BNP Paribas  , Société Générale   und Lazard an der Transaktion beteiligt.

Die RTL-Gruppe war trotz sinkender Gewinne im vergangenen Jahr noch immer die profitabelste Sparte von Bertelsmann. Das starke Deutschlandgeschäft federte Gewinnrückgänge etwa in Frankreich und Spanien ab.

nck/Reuters/AFP