Börsenboom: Dax knackt 7000er-Marke - DER SPIEGEL
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Börsenboom Dax knackt 7000er-Marke

An der Börse geht es aufwärts: Der Dax hat erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise die Marke von 7000 Punkten übersprungen. Ein Grund ist der kräftige Wirtschaftsaufschwung - vor allem aber fehlen attraktive Anlagealternativen. Der Börsenboom dürfte anhalten.
Börsenhändler in Frankfurt: Dax zwischenzeitlich auf neuem Rekordhoch
Börsenhändler in Frankfurt: Dax zwischenzeitlich auf neuem Rekordhoch

Börsenhändler in Frankfurt: Dax zwischenzeitlich auf neuem Rekordhoch

Foto: Arne Dedert/ dpa
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Dax

Deutschen Börse

Frankfurt - Der hat am Dienstag erstmals seit mehr als zwei Jahren die Marke von 7000 Punkten übersprungen. Der Leitindex der in Frankfurt notierte am Morgen bei mehr als 7000 Punkten - und damit so hoch wie seit Juni 2008 nicht mehr.

Der Dax war im Zuge der internationalen Finanzkrise wie andere Börsenindizes massiv abgestürzt. In den vergangenen Monaten war er wieder deutlich angestiegen. "Es ist vollbracht", sagte Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. "Trotz der mannigfaltigen Risiken in puncto Banken, Euroland und Schulden hat der Dax die Marke von 7000 Punkten geknackt."

Konjunktur

Ein Grund für den Börsenboom sei die unerwartet starke Wiederbelebung der deutschen , die in Europa ihresgleichen suche. Experten rechnen für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von rund 3,5 Prozent.

Deutsche Unternehmen profitieren in besonderem Maße vom weltweiten Aufschwung, vor allem in Schwellenländern wie China. So melden beispielsweise Volkswagen  , Daimler   und BMW   gewaltige Absatzsteigerungen - was sich auch in ihren Aktienkursen widerspiegelt. Und innerhalb eines Monats ist der Euro-Kurs von 1,40 auf 1,30 Dollar gefallen, was das Geschäft der Exporteure zusätzlich befeuert.

Im Industriesektor rechnen Experten mit einem Plus von acht Prozent im laufenden Jahr. Im Oktober legten die Auftragseingänge preis- und saisonbereinigt um 1,6 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Auch der zieht an, der deutsche Einzelhandel hat im Oktober das größte Umsatzplus des Jahres verbucht.

Anleger schichten ihr Geld in den Dax um

Positiv wirkt sich zudem ein Kompromiss in den USA aus. Im Steuer-Streit mit den Republikanern musste der US-Präsident einen Kompromiss akzeptieren. Demnach sollen auch Reiche weiterhin bei Abgaben entlastet werden.

Hinzu kommt eine Ausstattung der Finanzmärkte mit billigem Geld, die nur noch von der Sintflut getoppt wird, sagte Halver. Die Leitzinsen liegen in vielen Ländern auf einen enorm niedrigen Niveau. Die Märkte zweifeln die Bonität von Griechenland, Irland oder Portugal immer stärker an, Staatsanleihen dieser Länder gelten vielen Anlegern als unsicher und damit als unattraktiv. Anleger suchen nach Alternativen - und schichten ihr Geld zum Teil in Dax-Werte um.

Aus Expertensicht spricht einiges dafür, dass die Aktienkurse weiter steigen. Halver spricht sogar schon von der 8000-Punkte-Marke, die im kommenden Jahr erreicht werden könnte.

Neuer Streit um Ausweitung des Euro-Rettungsschirms?

Am Dienstagvormittag waren die Aktien von Bayer   die größten Gewinner im Dax. Stützend dürfte sich eine positive Studie der Credit Suisse gewirkt haben. Das Bankhaus hatte die Titel in einer Branchenstudie von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 57 auf 66 Euro angehoben. Die britische Wirtschaftszeitung "Financial Times" berichtete zudem von einer Studie, derzufolge die tägliche Einnahme des Bayer-Schmerzmittels Aspirin das Krebsrisiko im Schnitt um 25 Prozent mindern soll.

Die Aktien des deutschen Branchenprimus Deutsche Bank   verloren dagegen mehr als ein Prozent an Wert. "Das Ergebnis des Treffens der Finanzminister der Euro-Zone war eine ziemliche Enttäuschung", sagte ein Börsianer. Die Minister hatten am Montagabend weder eine Ausweitung des Garantierahmens des Euro-Schutzschirms beschlossen, noch über die Einführung einer gemeinsamen Euro-Anleihe gesprochen.

Belgiens Finanzminister Didier Reynders sagte am Dienstag, er gehe davon aus, dass es in den kommenden Wochen weitere Diskussionen über die Größe des Fonds geben werde. EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hatte sich ebenfalls dafür eingesetzt, den Fonds auszuweiten, wenn weitere Länder Hilfe beantragen. "Im Moment haben wir keine Länder, die nach Unterstützung fragen, und solange das so bleibt, ist das Paket in Ordnung", sagte Bini Smaghi dem TV-Sender CNBC.

Deutschland und die Niederlande halten den Rettungsfonds für groß genug. Bisher sei nur ein Zehntel des Fonds genutzt worden, sagte der niederländische Finanzminister Jan Kees de Kager. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bekräftigte seinen Willen, die Märkte davon zu überzeugen, dass der Euro eine stabile Währung sei. "Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg, und jede Regierung in Europa kennt ihre Verantwortlichkeiten."

plö/ssu/dpa/Reuters