Brexit Britische Firmen starten Notfallpläne
Wolken über London
Foto: CHRIS YOUNG/ AFPAm Tag nach der weitgehend inhaltsleeren Rede von Premierministerin Theresa May im britischen Unterhaus sind die Sorgen vor einem ungeordneten Brexit deutlich gewachsen. Die Reaktionen aus der Wirtschaft folgten prompt: Gleich mehrere prominente britische Firmen kündigten Maßnahmen an.
Der britische Staubsaugerhersteller Dyson etwa will seinen Hauptsitz nach Singapur verlegen. Er betont zwar, das habe nichts mit dem bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu tun, sondern mit der hohen Nachfrage in Asien. Dennoch ist das Timing der Ankündigung zumindest auffällig. Dyson-Gründer James Dyson ist ein glühender Befürworter des Brexit. Er hatte bereits vergangenes Jahr angekündigt, er werde in Singapur Elektroautos produzieren.
Der britische Fährenbetreiber P&O kündigte an, seine im Ärmelkanal fahrenden Schiffe künftig auf Zypern zu registrieren. Betroffen seien insgesamt vier von insgesamt 20 Fähren. Die Umflaggung vor einem möglichen ungeordneten Brexit werde zu "weniger Inspektionen und Verspätungen" führen und damit zu einer höheren Frachtrate, teilte P&O mit. Man werde so zudem die EU-Steuerregeln weiter anwenden können.
Im Dezember hatte P&O schon angekündigt, zwei zwischen Frankreich und Großbritannien verkehrende Fähren in Zypern registrieren zu lassen. Sie sind inzwischen im zyprischen Limassol eingetragen.
Der britische Billigflieger Easyjet treibt seine Vorbereitungen für den bevorstehenden Brexit ebenfalls voran. Wie die Rivalin Ryanair aus Irland versucht das Unternehmen, einen Teil seiner Aktionäre aus Großbritannien und anderen Ländern außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums loszuwerden.
Easyjet-Chef Johan Lundgren will sicherstellen, dass die Fluggesellschaft spätestens am 29. März - dem geplanten Brexit-Termin - mehrheitlich Eignern aus dem EU-Wirtschaftsraum gehört. Dies gilt als Voraussetzung dafür, dass seine Airline auf Strecken innerhalb der EU fliegen darf.
Der britische Autohersteller Bentley warnte seine Anleger und Kunden indes schon einmal prophylaktisch: Ein ungeregelter Brexit könne dem Unternehmen die geplante Rückkehr in die Gewinnzone verderben. "Der Brexit ist der Killer", sagte Unternehmenschef Adrian Hallmark. "Wenn wir einen harten Brexit bekommen, würde uns das treffen."
Die deutsche Süßwarenbranche warnte ebenfalls vor gravierenden Folgen. 3000 Beschäftigte seien hierzulande bisher von dem jährlich etwa 800 Millionen Euro schweren Export nach Großbritannien abhängig, sagte Bastian Fassin vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Das seien circa sechs Prozent der Süßwarenproduktion in Deutschland.
Es drohten nicht nur Lieferengpässe und Zoll in Höhe von 5 bis 15 Prozent, sondern der Branche mache insgesamt eine große Unsicherheit zu schaffen. "Wir wissen noch nicht mal, welches Zollformular wir ausfüllen dürfen und welche Zollklasse wir sind", sagte Fassin, der auch Chef von Katjes ist.
Die Lage sei ohnehin schon angespannt, weil die Branche durch die Abwertung des Pfundes in den vergangenen zwei Jahren bereits 50 Millionen Euro eingebüßt habe. Da der Wert des Pfundes sank, brachten die Einnahmen im Vereinigten Königreich weniger Euro in die Bilanzen der deutschen Firmen.