Reaktion auf Brexit-Votum Dax stürzt um zehn Prozent ab
Börse Frankfurt
Foto: STAFF/ REUTERSDas ist passiert:• 51,9 Prozent der britischen Wähler haben für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 70 Prozent.
• Premier David Cameron hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.
• Politiker aus Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben.
• Das Pfund verliert dramatisch an Wert, Aktienkurse weltweit stürzten ab.
• Rechtspopulisten in ganz Europa freuen sich und fordern nun ebenfalls Volksabstimmungen über die EU.
Das Brexit-Votum in Großbritannien hat am deutschen Aktienmarkt für massive Kursverluste gesorgt. Der deutsche Leitindex brach zu Handelsbeginn um zehn Prozent ein und sackte auf 9233,48 Punkte. Das war der größte Kursrutsch seit der Finanzkrise 2008.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rutschte um 9 Prozent ab. Ein Drittel der Hälfte der Dax-Werte standen prozentual zweistellig im Minus. Die Deutsche Bank verlor zu Handelsbeginn 16 Prozent, die Commerzbank-Aktie stürzte rund 17 Prozent ab. Die Allianz-Aktie fiel um 13 Prozent. Auch die Aktien der exportlastigen Autobauer fielen deutlich, ebenso die Papiere der in Großbritannien engagierten Versorger RWE und Eon .
Pfund und Euro verlieren massiv
Das Finanzzentrum London und die gesamte Finanzindustrie gelten als einer der größten Verlierer des Brexits. Besonders hart traf es die Bankenwerte. Die englischen Großbanken verloren rund 30 Prozent. Die britischen Fluggesellschaften Ryanair und Easyjet verloren rund 18 Prozent. Die Aktien der Royal Bank of Scotland lagen an der Londoner Börse rund 28 Prozent im Minus, Papiere von Lloyds büßten 22 Prozent ein.
Auch das Pfund verlor massiv. Die britische Währung fiel auf den tiefsten Wert seit 1985: Zwischenzeitlich kostete das Pfund weniger als 1,33 Dollar. Damit war das Pfund rund elf Prozent billiger als in der Nacht, als die britische Währung zeitweise noch etwas mehr als 1,50 Dollar gekostet hatte. Der Euro sackte ebenfalls ab, wenngleich nicht so dramatisch: Er verlor rund 2,5 Prozent und fiel zwischenzeitlich auf 1,09 Dollar.
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"Jetzt ist erst mal Panik"
Die Briten hatten am Donnerstag in einem Referendumfür einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. 51,9 Prozent der Wähler sprachen sich für den Brexit aus. (Lesen Sie hier den Brexit-Newsblog.)
Anleger flüchteten sich in Gold und Staatsanleihen. Auch der japanische Yen und der Schweizer Franken waren gefragt. Die Schweizer Notenbank intervenierte am Freitagmorgen. "Nach der Abstimmung Großbritanniens über einen Austritt aus der Europäischen Union ist der Schweizer Franken unter Aufwertungsdruck geraten", teilte die Notenbank mit. Um den Kurs zu drücken, verkaufte die Notenbank Franken.
Bereits vor Handelsbeginn war es für den Dax auf außerbörslichen Plattformen rauf und runter gegangen. Gegen fünf Uhr notierte er bereits 700 Punkte - rund 6,75 Prozent - im Minus, drei Stunden später waren es bereits minus elf Prozent.
The UK is no longer the world's 5th largest economy. The £ has fallen so far that France has overtaken us. #EUref
— The London Economic (@LondonEconomic) June 24, 2016
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In den vergangenen Tagen waren die Aktienkurse noch gestiegen, der Dax schloss am Donnerstag deutlich über 10.000 Punkte. Die Anleger hatten darauf gehofft, dass es noch einmal gut gehen würde. "Alle sind falsch positioniert", sagte ein Händler am frühen Morgen. Es gebe einen immensen Absicherungsbedarf. "Keiner hat damit gerechnet, dass die Briten wirklich austreten."
Der Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte, sagte nach dem Kurssturz: "Bis gestern hatte Europa ein Problem, jetzt ist erst mal Panik". Er rechne damit, dass die Finanzmärkte einige Tage brauchen werden, "um den Schock zu verarbeiten".
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