US-Netzwerkausrüster Cisco wechselt nach 20 Jahren den Chef
Ende einer Ära: Cisco-Chef John Chambers tritt nach 20 Jahren ab
Foto: BERTRAND GUAY/ AFPÜber zwei Jahrzehnte wurde der Netzwerkausrüster Cisco von John Chambers geführt - eine Ewigkeit gerade in der schnelllebigen Technologiebranche. Jetzt bekommt der Konzern unter zunehmendem Konkurrenzdruck einen neuen Chef aus den eigenen Reihen - es ist das Ende einer Ära.
Der bisher für das weltweite Geschäft zuständige Top-Manager Chuck Robbins werde zum 26. Juli die Konzernführung übernehmen, teilte Cisco mit. Robbins ist selbst seit 1997 bei dem Unternehmen angestellt. Der bisherige Chef John Chambers bleibt als Vorsitzender des Verwaltungsrates an Bord.
Der Neue an der Spitze: Chuck Robbins arbeitet seit 18 Jahren bei Cisco
Foto: Paul Sakuma / AP / dpaDer jetzt 65-jährige Chambers stand seit Januar 1995 an der Cisco-Spitze. Damals hatte der Konzern einen Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Dollar, jetzt geht es auf 48 Milliarden Dollar zu. Cisco ist stark im Geschäft mit Technik, die das Internet zum Laufen bringt, daher stammt auch das enorme Wachstum.
Chambers ging in neue Geschäftsbereiche wie Videostreaming, Cloud-Dienste und die Vernetzung von Technik im "Internet der Dinge". Cisco übernahm in seiner Amtszeit 168 Firmen. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von 4000 auf zuletzt über 70.000 - allerdings baute Chambers jüngst auch Stellen ab.
Zuletzt bekam der US-Konzern immer stärkere Konkurrenz unter anderem von aggressiv auftretenden chinesischen Anbietern wie Huawei. Zudem wurde Cisco auch in den Strudel des NSA-Skandals hineingezogen: Aus Unterlagen des Informanten Edward Snowden ging hervor, dass der US-Geheimdienst Netzwerktechnik des Konzerns beim Versand an Kunden im Visier gehabt hat. Cisco kritisierte das scharf und betonte, man arbeite nicht mit Regierungen zusammen. Die Enthüllungen belasteten aber zeitweise das Geschäft unter anderem in China.
Die Cisco-Aktie reagierte im frühen US-Handel mit einem kleinen Plus von 0,5 Prozent auf die Ankündigung. Das Unternehmen war zuletzt gut 149 Milliarden Dollar wert. Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase zur Jahrhundertwende war Cisco einst über 500 Millionen Dollar wert gewesen.
Die Suche nach einem neuen Chef habe mehr als ein Jahr gedauert, sagte Chambers. Robbins habe sich gegen interne und externe Kandidaten durchgesetzt.
Robbins sagte, er wolle zunächst die Bereiche festlegen, in denen sich Cisco schneller bewegen müsse. Er machte zugleich deutlich, dass das "Internet der Dinge" für ihn im Fokus stehen werde: "Das wird vielfach größer sein als alles, was wir bisher sahen." Cisco wolle für Kunden unter anderem Daten aus dem Netzwerk auswerten. Das würde den Konzern stärker zum Wettbewerber des IT-Giganten IBM machen.