Commerzbank rechnet mit Verlust im ersten Quartal - DER SPIEGEL
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Kritik am Management Commerzbank erzürnt Aktionäre

Die Commerzbank will den Staat loswerden - und strebt dafür eine Kapitalerhöhung an. Doch der Ärger der Aktionäre ist groß. Auch wegen neuer Verluste des Kreditinstituts.
Commerzbank-Chef Blessing: Rechnet mit einem schwierigen Jahr
Commerzbank-Chef Blessing: Rechnet mit einem schwierigen Jahr

Commerzbank-Chef Blessing: Rechnet mit einem schwierigen Jahr

Foto: LISI NIESNER/ REUTERS
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Frankfurt am Main - Der geplante Stellenabbau bei der Commerzbank kostet viel Geld - nun rechnet das teilverstaatlichte Institut mit einem Verlust für das erste Quartal. Zwar sei die Bank "operativ solide gestartet", sagte Vorstandschef Martin Blessing am Freitag bei der Hauptversammlung in Frankfurt. Jedoch würden knapp 500 Millionen Euro Kosten für den Konzernumbau verbucht. Das heißt: Unter dem Strich dürften rote Zahlen stehen.

Der Verlust im ersten Quartal war am Finanzmarkt erwartet worden. Die Commerzbank-Aktien, die schon am Morgen im Minus standen, reagierten kaum auf die Aussagen von der Hauptversammlung. Zuletzt lagen sie rund ein Prozent im Minus und gehörten damit zu den schwächsten Dax-Werten.

Auch nach dem ersten Quartal dürfte 2013 kein einfaches Jahr werden, sagte Blessing. "Die Schuldenkrise wird uns im laufenden Jahr weiter intensiv beschäftigen. Die Ergebnissituation der gesamten Branche wird herausfordernd bleiben." Eine konkrete Prognose blieb Blessing schuldig. Von 2014 an solle sich der Konzernumbau auszahlen, sagte er lediglich. Bis 2016 sollen 4000 bis 6000 Vollzeitstellen wegfallen. Der Fokus liege auf dem Privatkundengeschäft.

Aktionäre attackieren Management

Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus will erneut frische Milliarden am Markt einsammeln, um den Staat loszuwerden. Blessing warb bei den Aktionären um Zustimmung zu der Kapitalerhöhung. Geplant ist die Ausgabe neuer Aktien im Volumen von 2,5 Milliarden Euro mit Bezugsrechten für die bisherigen Anteilseigner. Weil durch eine parallele Kapitalmaßnahme die Anteile von Kleinaktionären zusätzlich verwässert werden, kündigten einige Anteilseigner Widerstand gegen die Pläne an.

Der seit der Finanzkrise 2008/2009 teilverstaatlichte Dax-Konzern strebt an, sowohl die restlichen Hilfsgelder des staatlichen Rettungsfonds Soffin (1,63 Milliarden Euro) als auch die Stille Einlage des Versicherungskonzerns Allianz   (750 Millionen Euro) zurückzuzahlen. In der Folge will der Soffin seinen Anteil an der Bank von 25 Prozent unter 20 Prozent senken. Damit würde der deutsche Staat sein Recht zur Blockade wichtiger Entscheidungen (Sperrminorität) aufgeben.

Aktionäre nutzten die Versammlung für eine Generalabrechnung mit dem Vorstand. "Wir trauen diesem Management nicht, dazu haben sie mit ihrem Marketingdeutsch in den vergangenen Jahren zu sehr enttäuscht. Herr Blessing, bei allem Respekt: Uns reicht's!", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Freitag in Frankfurt. Aktionär Karl-Walter Freitag wetterte: "Wir haben ihre Kapitalvernichtung endgültig satt, die unter stiller Duldung des Staates stattfindet." Kleinaktionäre wollten der erneuten Kapitalerhöhung nicht zustimmen.

Die verbliebenen Hilfen müssten durch hartes Kernkapital ersetzt werden, sagte Blessing. "Ganz gleichgültig, ob aus erwirtschafteten Gewinnen oder im Rahmen einer Kapitalerhöhung: Es wird stets um Mittel gehen, auf die der Aktionär in der einen oder anderen Weise verzichten muss."

Die Tilgung der Rettungsgelder sei der "Einstieg in den Ausstieg des Staates als Aktionär", betonte Blessing. Der Schritt eröffne Spielraum für Dividenden: "Gerade dieser Faktor ist für Sie als Aktionäre von großer Relevanz." Seit fünf Jahren zahlt die Commerzbank   keine Dividende, auch für 2013 wird es wahrscheinlich keine Gewinnausschüttung geben.

yes/dpa